Kunstfälschung
Ende eines Zivilstreits

Der Zivilstreit zwischen dem Käufer eines gefälschten Campendonk-Gemäldes und dem Kölner Auktionshaus Lempertz wird beigelegt. Das ließ die geschädigte Firma Trasteco durch ihre Genfer Galerie Artvera’s mitteilen.
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DüsseldorfDie zivilrechtliche Auseinandersetzung zwischen dem Käufer der Campendonk-Fälschung „Rotes Bild mit Pferden“ und dem Auktionshaus Lempertz ist endgültig vom Tisch. Nachdem der am Landgericht Köln geführte Prozess vor zwei Monaten in erster Instanz zugunsten des Käufers, der auf Malta ansässigen Firma Trasteco Ltd., entschieden worden war, teilte Artvera’s Gallery gestern Abend die gütliche Einigung mit. Die Genfer Galerie war von dem Käufer im Nachgang der Auktion mit der Abwicklung des Kaufs betraut worden und hatte ihm geraten, das Bild naturwissenschaftlich untersuchen zu lassen.

Trasteco soll in vollem Umfang befriedigt worden sein, einschließlich Zinsverlust und Kosten, die unter anderem auch für zwei naturwissenschaftliche Gutachten angefallen waren. Der befriedigende Ausgang war möglich, weil Friederike Gräfin von Brühl, Rechtsanwältin der die Trasteco vertretenden Kanzlei K&L Gates, Berlin, nicht nur gegen Lempertz, sondern auch gegen den Fälscher Wolfgang Beltracchi und seine Frau Helene prozessiert und in beiden zivilrechtlichen Verfahren in erster Instanz gewonnen hatte. Auf dieser Grundlage sollen nun aus dem Vermögen beider Schuldner, von Lempertz und dem Ehepaar Beltracchi, Teilbeträge an Trasteco geflossen und damit der gesamte Schaden ersetzt worden sein. Rechtsanwältin von Brühl: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ausgang des Verfahrens. Sämtliche Schäden unserer Mandantin sind ausgeglichen.“ Das Ehepaar Beltracchi, vertreten von dem Kölner Rechtsanwalt Reinhard Birkenstock, wollte dazu keinen Kommentar abgeben.

Sicherungshypotheken auf Immobilien

Trastecos Schäden konnten weitgehend aus den Grundstücken Beltracchis ausgeglichen werden, denn die Firma hatte nach dem erfolgreichen Prozess gegen Beltracchi Sicherungshypotheken auf die Beltracchi-Anwesen in Deutschland und Frankreich eintragen lassen. Nach dem erstinstanzlichen Urteil zugunsten Trasteco kam es nun zu einem Vergleich. Lempertz soll sich bereit erklärt haben, die verbleibenden Schäden zu erstatten. Sie betreffen nach Angaben der Galerie Artvera’s den gesamten verbleibenden Zinsschaden und eine Kompensation für die Trasteco entstandenen Kosten.

Insgesamt hatte die maltesische Firma einen Schaden in Höhe von rund 3,85 Millionen Euro erlitten, der insbesondere auf den hohen Prozesszinsen beruhte. Der Kaufpreis hatte ursprünglich knapp 2,9 Millionen Euro betragen.

Der Rechtsstreit gegen Lempertz ist durch den rechtskräftigen Vergleich nun erledigt. Von Lempertz selbst war jedoch am Tag der Asiatica-Auktion nur zu erfahren: „Wir können sie [die Meldung von Artvera’s, Anm. der Red.] nicht bestätigen. Sie ist unzutreffend.“

Die Entscheidung über die Höhe der Gerichtskosten dürfte das Gericht in den nächsten Wochen treffen.

Kommentare zu " Kunstfälschung: Ende eines Zivilstreits"

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  • Aus der Distanz betrachtet waren wohl die Chancen in der 2.Instanz nicht sonderlich verlockend für Trasteco,aber die Verwertung des Vermögens von dem Gauner konnte den Schaden heilen. Die Medienarbeit von RAin von Brühl war aber ungewöhnlich für einen Anwalt und bedenklich.
    Ich frage mich nur warum sie offensichtlich verschwiegen hat,dass ihr Mandant ein halbes Jahr vorher ein Gemälde von Campendonk und ein halbes Jahr später ein Gemälde von André Derain ,beide bei Christies und beide von Beltracchi,gekauft haben soll .Wäre das nicht verschwiegen worden,dann wäre der Fall wohl wesentlich früher aufzuklären gewesen.Obendrein wird Trasteco angeblich der Geldwäsche bezichtigt.

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