Kunstfälschung
Sicherheitstechnologie für die Fotokunst

Eine neue Technologie soll künftig gefälschte von originalen Kunstwerke unterscheiden. Möglich macht es die Abtastung der Oberflächenstruktur mit einem Laser. Das Verfahren ist vor allem für den Markt der Fotokunst interessant. Denn die unkontrollierte Verbreitung von Fälschungen oder Kopien bedeutet immer einen Wertverfall. Für die Lösung interessieren sich deshalb nicht nur die Versicherer.
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BonnDer am Kölner Landgericht verhandelte Fall des Kunstfälschers Beltracchi hat dem Vertrauen in den Kunsthandel einen gehörigen Schlag versetzt. Jetzt versucht die Branche, die Folgen aufzuarbeiten und ihren Ruf wiederherzustellen. Kritisch geprüft werden vor allem die Methoden, mit denen der Handel Kunstwerke auf ihre Authentizität prüft. Mit großem Interesse schaut man dabei auch auf die bislang vernachlässigten kunsttechnologischen Untersuchungsverfahren.

Für den Münchener Rechtsanwalt Florian Mercker könnte daher der Zeitpunkt nicht günstiger sein, um mit einer neuen Anwendung auf den Markt zu kommen, die Original und Fälschung oder Kopie technisch eindeutig identifiziert und damit voneinander unterscheidbar macht. Zusammen mit dem Ingenieur Axel Breuer hat Mercker das "ArtIdent®" getaufte Verfahren entwickelt. Jüngst stellte er es auf einer Tagung des Kölner Auktionshauses Lempertz zum Thema "Kunstauthentifizierung" vor.

"Fingerabdruck" eines Kunstwerks

Technisch ist "ArtIdent®" nichts anderes als der auf einer Datenbank hinterlegte "Fingerabdruck" eines Kunstwerks, gewonnen aus den Daten einer Laserabtastung. Dabei wird die Oberflächenstruktur an bis zu 150 Stellen bis in die winzigen Details im Molekularbereich betrachtet. Die Idee ist neu, die Technik alt, sie kommt aus der Chipherstellung.

Jedes Kunstwerk ließe sich so auf seine Authentizität überprüfen, vorausgesetzt, es gibt den "Fingerabdruck" des Originals, der zum Vergleich herangezogen werden kann. Um verlässliche Aussagen über original oder falsch machen zu können, müssen also ausreichend Referenzdaten zu authentischen Werken erhoben und ausgewertet werden. Das ist die entscheidende Hürde auf dem Weg zur Markteinführung, denn das kostet viel Geld.

Mercker und Breuer haben "ArtIdent®" speziell für die Anwendung im Bereich Fotografie entwickelt. Sie glauben, mehr als nur eine Technik zu bieten, die Sammler und Museen zunächst nur etwas kostet. "Mit ArtIdent® können Rechte im digitalen Zeitalter geschützt und ausgewertet werden", erklärt der Rechtsanwalt das zu Grunde liegende Ziel. Darüber hinaus können mit dem Verfahren aber beispielsweise auch Papierarten und Oberflächenstrukturen katalogisiert werden, mit denen künftig eine Alters- und Herkunftsbestimmung möglich wird.

Jeder Abzug ist ein Kunstwerk

Als Beispiel sei Ansel Adams genannt, einer der Klassiker der amerikanischen Schwarzweißfotografie. Sein "Canyon de Chelly" erzielte auf Auktionen bis zu 50.000 Dollar. "Im Internet kann das Bild gratis in einer Auflösung heruntergeladen werden, die den Ausdruck als Großformat erlaubt", erklärt Mercker und verweist gleichzeitig auf die enorme Geschwindigkeit, mit der sich reproduktive Technologien entwickeln. Fotografie sei besonders gefährdet, weil sie stets eine Reproduktion, rein technisch gesehen immer eine Kopie des "Originals" sei. Mit der Wirklichkeit hat dies - zumindest im Fall der analogen Dunkelkammer-Fotografie - meist wenig zu tun, wie das Beispiel Adams zeigt. Er machte bei seiner Arbeit in der Dunkelkammer aus jedem Abzug ein neu gesehenes Kunstwerk.

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