Kunstfälschungen
Acht-Punkte-Plan für den Kunsthandel

Stefan Koldehoff und Tobias Timm haben über den Kölner Fälscherskandal ein spannendes Buch geschrieben. Am Schluss liefern sie Anregungen für eine überfällige Debatte.
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DüsseldorfWelche Angaben muss der Handel zu einem Kunstwerk machen, das er verkaufen will? Wie ausführlich und sorgfältig muss er für diese Angaben recherchieren? Das sind die entscheidenden Fragen, mit denen sich der Kunstmarkt zu beschäftigen hat, seit im Herbst 2011 das Urteil im Kölner Kunstfälscher-Fall gefällt wurde. Damals hatte eine Absprache dem Prozess ein vorzeitiges Ende bereitet und Wolfgang Beltracchi gegen ein Geständnis in 14 Fällen eine Haftstrafe von sechs Jahren beschert, die er zurzeit im offenen Vollzug verbüßt. (vgl. Handelsblatt vom 29.10.2011)

Zurück blieben hohe Vermögens- und Ansehensschäden der Geschädigten, sich hinziehende Zivilprozesse um Entschädigung, von denen der in Köln verhandelte nun entschieden werden soll, mindestens 80 weitere mutmaßliche, nicht „ausermittelte“ Fälschungen, deren Verbleib großenteils unbekannt ist, und deprimierende Einblicke in das Innenleben einer Branche, über dem normalerweise der Mantel diskreten Schweigens liegt.

„Es gibt kein Recht auf Diskretion“

„Es gibt kein Recht auf Diskretion und Geheimhaltung, wenn dadurch – wissentlich, fahrlässig oder unwissentlich – gegen geltendes Recht verstoßen wird“, fordern die beiden Journalisten Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk) und Tobias Timm (Die Zeit) am Ende ihres Buches „Falsche Bilder. Echtes Geld“. „Sollte es die Branche ernst meinen mit dem Nachdenken über einen nachhaltigen Selbstreinigungsprozess, so müsste ihr Bundesverband endlich eine Debatte über einen Kodex anstoßen, dem sich alle Mitglieder verpflichten und der auch tatsächlich überprüft wird.“ Andernfalls müsse dem Kunsthandel irgendwann die Justiz „diese Aufgabe abnehmen“, folgern die beiden Autoren.

Anstoß zu neuem Denken

Nur sieben Monate nach dem Urteil erschien die 277 Seiten umfassende Publikation im Verlag Galiani Berlin. Sie rollt chronologisch die Geschichte eines Verbrechens auf und die bestürzende Markt-Karriere eines Teils der Fälschungen. Dinge, die in der Öffentlichkeit als Unterhaltungsstück wahrgenommen wurden, und die den Leser fesseln, auch wenn er vieles schon in der Wochenzeitung Die Zeit publiziert sah. Das Wichtigste kommt jedoch am Schluss: der „Kodex für den Kunsthandel“, ein Acht-Punkte-Plan, Anstoß für eine überfällige Debatte und Basis für eine Erneuerung im Handeln und im Denken.

Seite 1:

Acht-Punkte-Plan für den Kunsthandel

Seite 2:

Wer soll über die Echtheit entscheiden?

Kommentare zu " Kunstfälschungen: Acht-Punkte-Plan für den Kunsthandel"

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  • Zum Acht-Punkte Plan.

    Zu Punkt 1.bei der aktuellen nachträglichen Anerkennung „Sonnenuntergang bei Montmajour“ brauchte das Museum insgesamt 22 Jahre um zu merken das es sich um ein echtes Gemälde von Vincent van Gogh handelt. Es hat den Anschein als ob die Experten des Van Gogh Museum ein wenig überfordert sein. Bei der Ersten Prüfung 1991 hat das Museum die üblichen Argumente eingebracht, die Farben stimmen nicht mit der Palette van Goghs überein, der Pinselstrich sei nicht identisch, u.s.w., also mit wenigen Worten, ist das Gemälde nicht sorgfältig geprüft worden. Das gleiche gilt für die Van Gogh Gemälde „Stillleben mit Wiesenblumen und Rosen“ Kröller-Müller Museum und „Le Blute-Fin“ Zwolle bei denen das Van Gogh Museum über 30 Jahre brauchte um ihre falsche Meinung zurück zu ziehen und die Gemälde endlich als echt zu erklären. Das heißt, dass die letzten drei Anerkennungen des Van Gogh Museums Trotz klarer Beweise Jahrzehnte falsch beurteilt wurden!
    Der Vorschlag von Herrn Koldehoff, das Van Gogh Museum als Vorbild für Bewertungsfragen zu sehen, ist in meinen Augen schlecht überdacht und recht oberflächlich und hat vielleicht auch mit seinem sehr guten freundschaftlichen Kontakt zum Van Gogh Museum zu tun. Es wäre ratsamer die Bewertungen durch ein Komitee entscheiden zu lassen. Zum Beispiel könnten Kunstuniversitäten durch ihre Kapazitäten an Studenten mit ihren Professoren ganze Themenbereiche abdecken und prüfen, naturwissenschaftliche Labore wie das Jägers Labor Bornheim den rein wissenschaftlichen Teil übernehmen und zusammen mit zuständigen Museen Kunstwerke beurteilen. So wäre auch die Mitwirkung der Familien der Künstler ausgeschlossen (es sei denn es ginge um die Provenienzen), die oft finanziellen Interessen unterliegen.

    Markus Roubrocks Köln

  • Hallo Markus Roubrocks, brauche ihre Unterstützung. Facebook p.N. an sie ist raus.
    Herzlichen Dank
    K.A.

  • Die Wahrheit ist ein seltenes Gut geworden und nur durch das Löschen von Texten bekommt man sie nicht aus dem Weg geräumt! Es wäre eher von Nöten, dass eine solide Zeitung sich mit den angesprochenen Themen auseinandersetzt!
    Herr Koldehoff schreibt: „es gibt kein Recht auf Diskretion und Geheimnisse wenn dadurch – wissentlich, fahrlässig oder unwissentlich – gegen geltendes Recht verstoßen wird.“ Gut dann sollte er sich vielleicht seinen eigenen Behauptungen stellen, wie zu Beispiel: das es inzwischen sicher sei dass die Kiste von Breda (Marijnissen Sammlung) von der Malerin Willemina Vincent ist. Nachfragen zu diesem und anderen Themen antwortet Herr Koldehoff grundsätzlich nicht, also bezieht er sich auf das Recht auf Diskretion, wissentlich dass es keine Argumente für diese Beeinflussung des Kunstmarktes gibt.
    Wenn die Wahrheit, die Netiquette verletzt, so sollte nicht die Wahrheit gelöscht werden sondern die Netiquette!

    Markus Roubrocks Köln

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