Kunstfälschungen
Was machte die „fade Gurke“ in Ahlen?

In den Kriminalfall um die erfundenen „Sammlungen Jägers und Knops“ kommt wieder Bewegung. In Ahlen wurden die Räume des Kunstmuseums durchsucht. Hier waren im Hochsommer zwei mutmaßliche Fälschungen sichergestellt worden.
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DÜSSELDORF. Für das Kunstmuseum in Ahlen war es ein gelinder Schock. Am Mittwoch bekam es Besuch von der Kriminalpolizei. Auch die Privaträume von Museumsdirektor Burkhard Leismann wurden inspiziert. "Die Durchsuchung hat aufgrund eines vagen Anfangsverdachts stattgefunden." Mehr will der Sprecher der Kölner Staatsanwaltschaft Tino Seesko dazu nicht sagen. Doch er hat noch eine andere Nachricht im Köcher: Eine der drei, seit Ende August in Untersuchungshaft befindlichen Personen sei gegen Zahlung einer Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen und der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt worden. Dafür wäre am Donnerstag einer anderen Person ein Haftbefehl verkündet worden, gibt Seesko zur Auskunft und ergänzt. "Es befinden sich damit wieder drei Beschuldigte in Untersuchungshaft."

Erst im August war das Kunstmuseum Ahlen von der Kriminalpolizei aufgesucht worden. Zwei Gemälde wurden sichergestellt: ein angeblich von Léger gemaltes Stillleben und ein "Hafen von Collioure" betiteltes Bild aus der vermeintlichen Sammlung Jägers, das André Dérain gemalt haben soll. Beide Bilder waren dem Kunstmuseum durch den Krefelder Otto S.-K. zugespielt worden. Zuerst 2008 der Léger, neun Monate später der Dérain. Museumsdirektor Leismann, ein alter Bekannter von Otto S.-K., sollte Untersuchungen zu den Bildern anstellen.

Ein Großvater dreht sich im Grabe herum

Nach Angaben von Dierk Hartleb, Ahlener Zeitung, handelt es sich bei der festgenommenen Person um einen Krefelder Sammler. Ziemlich sicher hat es damit Otto S.-K. getroffen, den Enkel des angeblich ebenfalls sammelnden Schneidermeister Knops. Aus derselben Ahlener Quelle stammt die Nachricht, die Mitarbeiter des Kunstmuseums wären mit 30 Bildern aus dem Bestand der Krefelder Sammlung konfrontiert worden.

Überlegungen, warum der Léger nach Ahlen reisen musste, wurden an dieser Stelle bereits angestellt (Siehe: www.handelsblatt.com/finanzen/kunstmarkt/marktanalysen : "Kunst für den Kommissar" vom 26.11.2010) Nun fragt man sich, was das Dérain-Motiv in Ahlen zu suchen hatte. Sollte auch dieses wie zuvor schon der Léger kraft musealer Begutachtung gesund gebetet werden? Die Begründung von Leismann, er habe herausfinden sollen, ob es ein Comité Dérain gibt, also eine Dérain-Instanz, die in Fragen der Authentizität angerufen werden kann, ist nämlich ziemlich dünn. Das Comité wurde bekanntlich 2006 gegründet.

Die Rolle des Museumsdirektors

Museumsdirektor Leismann selber fand die Frage nach einem Comité Dérain zunächst einmal nicht merkwürdig, gab er auf Befragen zur Auskunft. Die Existenz dieser Institution wäre noch nicht lange bekannt gewesen. Außerdem habe er im Jahr 2009 genug zu tun gehabt mit den Vorbereitungen zu seiner Ausstellung „Intimacy“ und wenig Zeit für weitergehende Nachforschungen gehabt.

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  • Dass das Gemälde von A. Derain -bei Christies am 18.juni 2007 unter Lot 5 für 4.023.715 USD versteigert-falsch ist,ist schon länger bekannt.bemrkenswert ist nur die Katalogbeschreibung und der im Katalog farbig abgebildete Aufkleber ,,Sammlung Flechtheim''. immerhin 6 Seiten im Katalog für dieses Lot. Aber warum ist eigentlich den Flechtheim Forschern Jentsch und Prof.Daxer dieser Aufkleber nicht aufgefallen?

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