Kunstförderung
Zeitschrift mit Kunstanspruch

„Upon Paper“ ist eher ein künstlerisches Produkt als eine Zeitschrift. Mit ihrem übergroßen Format lässt sie sich nur im Liegen umblättern. Hinter ihr steht das Papierunternehmen Hahnemühle. Eine Ausstellung in Berlin greift das Thema der jüngsten Ausgabe auf. Hier dreht sich alles um die Farbe.
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Berlin„Upon Paper“ ist eine ungewöhnliche Zeitschrift. Jüngst platzierte sie die legendäre Briefmarke „Blaue Mauritius“ in ihrer originalen Größe mitten auf eine ganze, ansonsten weiße Seite. Gegenüber findet sich am derselben Stelle auf derselben nur briefmarkengroßen Fläche eine kurze Beschreibung der weltberühmten Marke. Sonst: blankes Weiß. Hinzugefügt werden sollte, dass das Magazin eine auffällige Übergröße hat – es ist ganze 49 mal 69 Zentimeter groß, kann also nur auf dem Tisch liegend gelesen und umgeblättert werden.

Die zweite Ausgabe von „Upon Paper“ handelt vom Thema Farbe. Auf 80 großformatigen Seiten bietet sie verschwenderische Bildstrecken, brillante Fotografien und überraschende Texte, die zum Teil exklusiv für dieses Magazin entstanden sind. Die Zeitschrift ist im besten Sinne ein Kunstprodukt, produziert von einem kleinen Team aus Fotografen und Designern in Berlin, die dieses Magazin im Auftrag des niedersächsischen Papierunternehmens Hahnemühle machen.

Spuren von Farbfiltern

Die Kunstförderung von Hahnemühle besteht aus mehreren Teilen. Neben der zweimal jährlich erscheinenden Zeitschrift gibt es einen Ausstellungsraum in Berlin-Mitte und eine Kunstedition in Zusammenarbeit mit dem HatjeCantz Verlag. Alle diese Elemente sind unmittelbar aufeinander bezogen. So wird die Herausgabe des Magazins zum Thema Farbe jetzt durch eine Ausstellung in Berlin flankiert, in der einige der im Magazin reproduzierten Kunstwerke im Original zu besichtigen sind. Darunter tiefrote Aufnahmen vom blutgetränkten Orgien-Mysterien-Theater des Wiener Aktionskünstlers Hermann Nitsch und Fotografien von Nick Knight, William Eggleston, Anita Back und anderen.

Eine Fotoarbeit von Wolfgang Tillmans zeigt eine Sprinterin in knappem blauem Laufdress, die auf einer roten Laufbahn auf den Startschuss wartet, und die bunten Fahnen der am Wettkampf teilnehmenden Länder im Hintergrund. Eine Serie von quadratischen, in Pastelltönen kolorierten Fotografien führt in die Zeit des zaristischen Russland. Die Porträts, Flusslandschaften und Dorfansichten stammen von dem Fotopionier Sergei Prokudin-Gorski (1863-1944). Ihr farbiges Erscheinungsbild erzielte der Fotograf, indem er jedes Motiv dreifach fotografierte, jeweils mit einem Rot-, Grün- und Blaufilter. Diese Bilder konnte Prokudin-Gorski dann als Dias farbig projizieren. Auf den Abzügen, die in Berlin ausgestellt sind, haben die Filter Spuren in Form von Farbstreifen an den Rändern hinterlassen. Die altertümlichen Motive bekommen dadurch plötzlich fast in eine digitale Ästhetik.

Austausch von Know-how

Wie Holger Homann, Fotograf und Direktor des Upon-Paper-Projekts erklärt, dient das Projekt „Upon Paper“ dem Austausch von Know-how zwischen Künstlern und dem Papierunternehmen. „Für Hahnemühle ist „Upon Paper“ ein echtes Statement. Es geht darum, neue Potenziale zu wecken oder vernachlässigte Potenziale zu fördern.“

Die Ursprünge der Papierfabrik von Hahnemühle reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Heute stellt das Unternehmen, das auch Tochterfirmen in verschiedenen anderen Ländern hat, hochwertige Künstlerpapiere für Mal- und Drucktechniken sowie digitale Drucktechniken her und ist unter Künstlern ein fester Begriff.

„Color“ läuft bis 20. Dezember im Projektraum Upon Paper, Max-Beer-Str. 25 in Berlin-Mitte. Dienstag bis Freitag 12-18 Uhr, Samstag 12-16 Uhr.

Das Magazin „Upon Paper“ kostet 49 Euro pro Ausgabe. Es kann über den Zeitschriftenhandel und auf der Homepage von Upon Paper erworben werden.

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