Kunsthaus Lempertz
Die besten Preise machen Außenseiter

Lempertz' Auktion mit Moderne und Zeitgenossen spielte insgesamt 7,1 Millionen Euro ein. Prominenten Anteil am Ergebnis hatten 28 hoch dotierte Lose zu Beginn der Moderne-Passage.
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KölnEs dauerte keine halbe Stunde, da hatte Lempertz sein Feuerwerk abgebrannt: 28 Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen der Klassischen Moderne mit Schätzpreisen zwischen 30 000 und 350 000 Euro. 2,5 Millionen Euro inklusive Aufgeld wurden nach eigenen Berechnungen am Abend des 3. Dezember zusammengehämmert, nur etwas weniger, als für diese Tranche maximal erwartet wurden. Der Rest des Umsatzes von insgesamt 3,6 Millionen Euro für die Moderne verteilte sich auf 182 deutlich weniger aufregende Lose.

Das Rennen machte Alexej von Jawlenskys lässig arrangiertes Stillleben mit Weinflasche, Weißbrot, Marmelade und einem rot gebundenen Büchlein (1904). Es ist ein Bild, das Sammlerherzen höher schlagen lässt, ohne beunruhigende Faktoren. Ein Werk voll heiterer Gelassenheit und verführerischer Farben. An ihnen konnte sich schon einer seiner Vorbesitzer, der Wuppertaler Textilfabrikant Adolf Simons, nicht satt sehen, weshalb er das Bild ins vielfrequentierte Esszimmer hing. Jetzt nimmt es ein Schweizer Ehepaar für 439 200 Euro brutto mit nach Hause, deutlich über der oberen Taxe von 350 000 Euro.

Aber die besten Preise machten Außenseiter. Louis Anquetin zum Beispiel, der beste Freund Toulouse Lautrecs. Sein Profilbildnis einer eleganten jungen Pariserin auf dem Weg in ein nächtliches Abenteuer ist ebenfalls ein echter Hingucker, nur nicht so avantgardistisch wie der Jawlensky. Um das farbstarke Bild, das sich bis 1961 in der Sammlung Josef Haubrich befand, wurde hart gekämpft. Ein Saalbieter gab sich bei 140 000 Euro geschlagen und überließ das Feld vier Telefonbietern. Als Sieger ging schließlich französischer Handel hervor, der das Werk für 171 800 Euro, dem Doppelten der Taxe, erhielt.

Noch ein Außenseiter, der an diesem Abend zum unerwarteten Höhenflug ansetzte, war Georg Schrimpf mit der monumentalen Rückenfigur eines Mädchens, das die Fensterläden öffnet. Der Blick fällt an ihr vorbei auf eine detailliert gemalte Landschaft im Morgenlicht. Nach einem erbitterten Bietgefecht, aus dem ein Saalbieter mit Lodenjacke bei 90 000 Euro ausgestiegen war, hatte der siegreiche deutsche Sammler am Telefon inklusive Aufgeld 122 000 Euro zu zahlen - das Doppelte der oberen Taxe.

Ein chinesischer Sammler holte für 46 360 Euro Ewald Matarés "Tänzelndes Pferd", auch genannt "Chinesisches Pferd", ins Reich der Mitte. Das Pferd spielt in Chinas Kultur eine erhebliche Rolle, insbesondere in der Bildhauerei der Tang-Dynastie. In jedem Fall musste der Chinese nicht zu viel für die schöne Bronze bezahlen, von der nur 13 Güsse existieren. Einer erzielte im Sommer 2010 bei Lempertz 38 000 Euro (netto); vier Jahre zuvor kam eine weitere Version bei Sotheby's in London auf 36 900 Pfund (umgerechnet 53 724 Euro).

Eine weitere außergewöhnliche Bronzeplastik, Gerhard Marcks Frühwerk "Kleine Schwestern" (1934), übernahm bei 79 300 Euro ein Hamburger Privatsammler. Der Schätzpreis lag bei nur 25 000 bis 30 000 Euro.

20 von den 28 hochtaxierten Losen fanden einen Abnehmer, darunter auch eine Tuschpinselzeichnung von Picasso, deren hinreißende erotische Anmut dem deutschen Bieter 292 800 Euro wert waren. Die Taxe lag bei 160 000 bis 180 000 Euro.

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