Kunstherbst München, Teil I
Das Antiquitätenwunder von München

Drei renommierte Kunst- und Antiquitäten Messen locken erstmals gleichzeig nach München. Das Angebot deckt alle Sammelgebiete und alle Preisklassen ab. Ein Rundgang zu besonderen Objekten.
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München„Es geht mir um Emotionen. Ich kaufe komplett aus dem Bauch heraus.“ Uwe Dobler hat für die dritte Ausgabe der „Highlights – Internationale Kunstmesse München“ einen französischen Kontorschrank aus Eisen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts (34.000 Euro) mitgebracht. „Ein verrücktes Objekt“ sagt Dobler, der in seinem früheren Leben leitender Restaurator am Bayerischen Nationalmuseum in München war. Der Mann liebt den Extremkontrast. Zwei amorphe Steinplastiken aus Bali flankieren das sichtbar gealterte Stück. Eine Leihgabe vom Stand des Kölner Galeristen für außereuropäische Kunst, Dierk Dierking.

Uwe Dobler kombiniert ausgefallenes Kunsthandwerk aller Epochen mit Industrie-Design und zeitgenössischer Einrichtung – unakademisch, sinnlich und minimalistisch zugleich. Es ist der Stil der Jungen. Diese Käuferklientel hatte Messemitgründer Konrad Bernheimer, ausgestattet mit gutem Instinkt, wohl im Blick, als er Dobler in diesem Jahr den Wintergarten anbot. Und so gewann er den Händler wieder, der letztes Jahr aussetzte, weil ihm zu wenig Fläche zur Verfügung stand.

Der beschränkte Raum – in diesem Jahr ohne den Terrassensaal und zwei weitere Räume – ist die Achillesferse für diese junge, schöne Messe, die nur 46 Teilnehmer zählt, sieben weniger als 2011. Sechs Neuzugänge, darunter der Bamberger Händler Christian Eduard Franke, kompensieren immerhin 13 Abgänge, darunter renommierte Galerien wie Paffrath, Beck & Eggeling, Rudigier und Steinitz. Erstaunlich viel Bewegung ist das für eine auf höchstem Niveau angesiedelte Antiquitätenschau, die sich auch ästhetisch wie aus einem Guss präsentiert.

Das Ausstellungsdesign ist das Werk von Tom Postma, dem Chefdesigner der Tefaf in Maastricht. Bernheimer bestreitet, dass dies seinen erheblichen Preis haben muss. Immerhin sollen sich aber die Gesamtkosten der Messebeteiligung für die Händler mindestens auf Maastricht-Niveau summieren. Das ist für manchen Aussteller schon zum Problem geworden.

Die Investition in die Ausstellungsarchitektur hat sich dennoch gelohnt. Denn sie hebt nicht nur das einzelne Objekt auf wundersame Weise heraus. Sie schafft Raum für Zusammengehöriges, und sei es nur in einer flachen Nische entlang eines Gangs wie bei Paolo Antonacci. Er präsentiert dort die kleinformatigen Papierarbeiten, die sich die adeligen Bildungsreisenden des späten 18., frühen 19. Jahrhunderts von ihrer „Grand Tour“ aus Rom mitbrachten.

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