Kunstmarkt
Hängepartie in New York

Wenn Auktionator Tobias Meyer am Montag um 19 Uhr im New Yorker Sotheby's Headquarter den Hammer in die Hand nimmt, beginnt eine der riskantesten Kunstauktionen seit Jahren. Moderne Kunst mit für mindestens 350 Millionen Dollar wird versteigert. Sotheby's hat Erfolgsgarantien in Höhe von 160 Millionen Dollar gegeben – und die Preise fallen.

LONDON. Ein nervöser Einlieferer bekam am Dienstag kalte Füße. Nach wochenlangem Verhandlungen wurde ein kubistischer Picasso zurückgezogen, der 30 Millionen Dollar kosten sollte. „Private Gründe“ erklärte Sotheby's Co-Chairman David Norman. Die Einlieferer des „Harlekins“ hatten sich nicht, wie andere Besitzer von Spitzenkunst, eine Verkaufsgarantie von Sotheby's geben lassen. Nun, in einem sinkenden Markt wollten sie ihren Schatz nicht durch einen Auktionsflop „verbrennen“, wie Händler sagen.

Die Finanzkrise ist zu spüren. Erste negative Signale gab es bei den Auktionen mit zeitgenössicher Kunst vorletzte Woche in London. Bei weißem Burgunder und Mini-Bagles sagte die deutsche Chef-Expertin von Sotheby's, Cheyenne Westphal, mit einer gewissen Erleichterung: „Wir sind happy. Es werden noch Deals gemacht.“

Aber die Kunstwelt sah, dass die Preise nach jahrelangem steilem Anstieg im Sinken begriffen waren. Die Gesamteinnahme lag ein Drittel unter Ziel. Teure Werke wurden unter Preis oder gar nicht verkauft. Auch Gerhard Richters Landschaftsbild „Jerusalem“ nicht, das für rund Millionen Pfund garantiert war.

Genaueres las man eine knappe Woche später in einer lapidaren Mitteilung für die New Yorker Börse. Weil garantierte Nachkriegskunst in Hongkong und London nicht die Erwartungen erfüllte, erlitt Sotheby's im Oktober einen Verlust von 15 Millionen Dollar. Gescheiterte Kunst mit einem Schätzwert von 14 Millionen Dollar musste ins Inventar übernommen und sofort auf elf Millionen Dollar abgeschrieben werden.

Am Montag liegen die Risiken ungleich höher. Sotheby's beziffert die Garantieversprechen für das letzte Quartal mit 285 Millionen Dollar - von denen 63 Millionen Dollar an Dritte weitergegeben wurden. „Ein gewaltiges Risiko für ein so dünn kapitalisiertes Unternehmen wie ein Auktionshaus“, findet ein Londoner Marktanalyst.

Allein am Montag Abend stehen bereits 160 Millionen Dollar auf dem Spiel: Garantiert sind u.a. eine suprematistische Komposition des russischen Avantgardisten Kasimir Malewitsch, ein Degas Pastell (Tänzerin), das der Mitbegründer der Beteiligungsgesellschaft KKR, Henry Kravis, 1999 für 28 Millionen Dollar ersteigerte und nun für 40 Millionen Dollar weiterverkauft und Edvard Munchs auf 35 Millionen Dollar geschätztes Gemälde „Vampir“.

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