Jonathan Meese, Enfant Terrible der deutschen Kunstszene

An dem Künstlernachwuchs lässt er ein gutes Haar: „Die denken, sie müssten nur die richtigen Leute kennen.“

(Foto: Daniel Hofer für Handelsblatt Magazin)

Kunstmarkt Künstler Jonathan Meese – „Ein ‚Das ist Scheiße‘ motiviert mich“

Der 48-jährige Szene-Schreck Meese attackiert den Hang zur Selbstzensur, karrieregeilen Nachwuchs und den Bayreuther Intrigantenstadl.
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BerlinEr gilt als Enfant Terrible der deutschen Kunstszene. Und genau die warnt er nun kraftvoll: „Heute brauchen wir gar keine Religionen mehr oder politische Extreme, die einem was verbieten.

Das machen die Künstler schon selbst. Und das ist das Allerschlimmste überhaupt! Ein Wahnsinn!“, wettert der Berliner Jonathan Meese im Gespräch mit dem Handelsblatt Magazin, dass diesen Freitag erscheint. 

Viele zeitgenössische Künstler sind für den 48-Jährigen nur noch „Illustratoren politischer Realitäten. Das ist alles Quatsch.“ Meese warnt - auch vor dem Hintergrund der #Metoo-Debatte davor, Künstler und Werk nicht mehr zu trennen. Das führe zu „Zensur und Selbstzensur, was das Ende der Kunst bedeuten würde. Wir geraten da wirklich in Teufels Küche!“

Er selbst ziehe „sicher manchmal auch Scheiße an. Dann muss ich damit umgehen. Aber ich lasse mich nicht instrumentalisieren“, so Meese, der in dem Gespräch auch am Nachwuchs kein gutes Haar lässt: „Die jungen Künstler sind mir viel zu weichgespült. Die denken, sie müssten nur die richtigen Leute kennen.“ Aber Kunst sei eben „kein Kennenlernprogramm“.

Er selbst sei „froh, wenn ich stören darf. Natürlich freue ich mich auch, wenn Leute mir sagen: ‚Das ist geil, was Sie machen, Meese!‘ Aber das kann einen auch erdrücken. Ein ‚Das ist Scheiße‘ kann mich oft viel mehr motivieren.

Falsche Etikette in Bayreuth

Beifall macht so schwach und verwässert alles“, erklärte der Künstler, der schon oft aneckte: Mal musste er sich wegen eines vermeintlichen Hitlergrußes vor Gericht verantworten. Mal wurde er unter großen Theaterdonner von der Bayreuther Festspielleitung gefeuert, für die er eigentlich Richard Wagners „Parsifal“ inszenieren sollte.

„Damals waren mir die Machtverhältnisse ja nicht klar“, rechnet er nun im Handelsblatt Magazin ab. „Aber selbst alte Hasen in meinem Team waren schockiert, in welcher Komödie wir da abserviert wurden. Offiziell geht es in Bayreuth immer um Etikette, die aber gerade jene nicht haben, die sie vorschützen. Da laufen die miesesten Typen überhaupt rum.“

Für Meese ist das auch vier Jahre nach dem Eklat „eine unglaubliche Intrige“, in der er Festspielchefin Katharina Wagner nur als „traurige Marionette“ wahrnahm.

Interessanterweise gerät der Berliner Künstler, sobald es um Politik geht, sogar mit seiner Mutter Brigitte regelmäßig in Streit. Die 88-Jährige organisiert ihrem Sohn ein Stück weit den Haushalt in seinem Atelier, einem umgebauten alten Wasserwerk. Auch mit seinen ästhetischen Maßstäben ist sie nicht immer einverstanden: „Vor zwei, drei Jahren fing er an, seine Unterhosen – wenn auch gewaschen – in seine Bilder zu kleben. Das fand ich nicht besonders lustig“, verriet Brigitte Meese dem Handelsblatt Magazin.

Dieser Text ist ein Ausschnitt eines ausführlichen Interviews mit den Berliner Künstlern Jonathan und Brigitte Meese aus dem Handelsblatt Magazin N°4/2018. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 18. Mai 2018 am Kiosk erwerben.

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1 Kommentar zu "Kunstmarkt: Künstler Jonathan Meese – „Ein ‚Das ist Scheiße‘ motiviert mich“"

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  • Die Werke des Künstlers habe ich in Salzburg im Museum der Moderne bewundert. Es handelt sich um den massenhaft entstandenen deutschen Kunst-Müll der durch seine Menge zum Müll wird. Besonders eindrucksvoll war ein Video in dem der Künstler besoffen, natürlich nur für den Betrachter" ein Werk erstellt.
    Der Mann ist ein Künstler ohne Frage, ich aber bin vor Begeisterung in das im gleichen Gebäude befindliche M32 geeilt und habe ein Fläschchen auf den Künstler getrunken, der sich auch im Wesentlichen seiner Werke mit und im Suff beschäftigt.

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