Kunstmarkt
Markt für Milliardäre

Ein Rekordpreis jagt den nächsten und ein Ende ist nicht in Sicht. Moderne Kunst ist bei den Londoner Auktionhäusern derzeit so beliebt wie nie. Durch die starke Nachfrage insbesondere aus Russland und Asien könnten die Preise weiter steigen.

LONDON. Londons Auktionsserie der Superlative zeigte, dass bei der besten Kunst immer noch die Verkäufer die Preise machen. Wieder einmal war die Unsicherheit der Aktienmärkte eine Stütze des Marktes. Rezessionsresistente Superreiche legen ihr Geld weiterhin in Kunst an und lassen sich durch nichts von Höchstgeboten abschrecken.

Es war ein Triumph für den Standort London. Die zweiwöchige Serie meisterte die magische 1-Milliarde-Dollar-Grenze, Christie's Impressionistenauktion übertraf den New Yorker Mai-Umsatz und bewies mit der Sammlung Miller, dass sich hochkarätige amerikanische Sammlungen hier glänzend verkaufen lassen. Nun unterstrich am 30. Juni ein Rekordpreis für den amerikanischen Kitschmeister Jeff Koons, dass hier die Bieter aus dem Nahen Osten, Russland und Asien aktiv sind. Sie geben nun zunehmend den Ton an.

Wie erstaunlich viele Lose in dieser Contemporary-Woche hatte Koons tonnenschwere Chromskulptur "Balloon Flower (Magenta)" aus der Sammlung Rachofsky, Dallas, den Rekordpreis bereits in die Taxe einprogrammiert: 12,9 Mill. Pfund oder 25,8 Mill. Dollar (16,3 Mill. Euro) brachte das Werk, das im St.James's Park aufgebaut und rund um die Uhr nachpoliert wurde, bequem über den bisherigen Rekord von 23,6 Mill. Dollar (für das Magenta-Valentinsherz in New York).

Später sorgte Koons Galerie Gagosian für einen Rekord für ein Gemälde. "Auto, 2001" kostete 2,5 Mill. Pfund. "Wir sehen nicht die geringsten Anzeichen einer Abschwächung", sagte Christie's-Chef Ed Dolman nach der Auktion, die mit einer Einnahme von 86 Mill. Pfund einen Hausrekord aufstellte, der dann am nächsten Abend bei Sotheby's mit 94,7 Mill. noch übertroffen wurde. Aber Dolman meinte den Markt der Milliardäre.

In der Tagauktion fielen dann die Rückgangsraten mit 33 Prozent noch einmal eine Schraubendrehung höher aus als im Februar. Mag bei der Multimillionen-Kunst für Milliardäre das Geld locker sitzen, im Segment der wohlhabenden Mittelständler, Ärzte und Rechtsanwälte wird vorsichtiger geboten. "Käufer, die nur eine halbe Million Dollar für Kunst ausgeben können, werden nervös", resümierte der Pariser Kunstberater Hugues Joffre.

Die Contemporary Serie begann nämlich wacklig, als Phillips de Pury am 29. Juni hoch taxierte und riskant garantierte Kunst versteigerte, und die Rückgangsraten auf über ein Drittel stiegen. In der Tagauktion wurde nach Wert nur 50 Prozent abgesetzt. Viele Prestigelose wurden nur knapp verkauft, auch der Geheimtipp der Auktion, Zeng Fanzhis Mao-Gemälde "Chairman Mao II" (2,2 Mill. Pfund).

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