Kunstmarkt
Rekordabsatz mit aktueller Kunst

Ein stabiler Markt durch kauffreudige Sammler und Händler bescherte Lempertz am 2. Dezember die beste Zeitgenossenauktion des Hauses, inklusive einiger Kapriolen und Rekorde. Lempertz-Eigentümer Henrik Hanstein war begeistert, sich wie im Vorjahr äußern zu können: "Das war die beste Auktion Zeitgenössischer Kunst, die es in Deutschland je gegeben hat." Zusammen mit der Moderne tags darauf wurden 12,5 Mill. Euro netto umgesetzt.

HB KÖLN. Am Verlauf war deutlich abzulesen, dass der Kunstmarkt tatsächlich global ist. Die Impulse gehen jedoch hauptsächlich von zwei Punkten aus: London und New York. Gleich das erste Los kam einem Paukenschlag gleich. Die verhältnismäßig kleine Leinwand mit dem ausführlich beschreibenden Titel "Study to Homage to the Square: Lighting Up' Red + Violet against 2 Blues" von Josef Albers aus dem Jahr 1957 entfachte ein Telefongewitter, an dem sich 20 Teilnehmer beteiligten. Die konservative Taxe von 30/35 000 Euro war offensichtlich zu verlockend für den internationalen Handel, der im Monat zuvor in New York schon neue Rekordpreise für die Op-Art-Gemälde des Bauhausmeisters gezahlt hatte. So waren die 200 000 Euro, die Londoner Handel gewährte, zwar überraschend, doch keine Sensation. Solide waren die 420 000 Euro netto (Taxe 300/350 000) für ein sattrotes "Concetto spaziale, attese" Lucio Fontanas von einem italienischen Telefon sowie die 140 000 Euro (150/180 000) aus dem Saal für Emil Schumachers erdiges "Mobi" von 1959.

Je näher die Gegenwart rückte, umso erstaunlicher wurden die Ergebnisse. Der dekorative "Druckfehler" des ehemaligen Kunstmarktlieblings Polke fand in einem privaten Saalbieter gerade zur unteren Taxe von 120 000 Euro einen solventen Freund. Christos zweiteilige Arbeit zum Projekt "The Gates" fiel mit der rekordverdächtigen, wohl den Galeriepreis spiegelnden Schätzung von 250 000 Euro gerechterweise durch. Vor vier Wochen hatte eine vergleichbare Arbeit in New York umgerechnet 160 000 Dollar gekostet.

Günther Ueckers doppelbettgroßes Nagelbild "Weißes Feld" ging hingegen zum Rekordpreis von 130 000 Euro (70 000). Mit einem Gebot von 64 000 Euro (50 000) für ein großes, unbetiteltes Gemälde bestätigte eine Galerie den wieder gestiegenen Stellenwert A. R. Pencks und seiner zeichenhaften Bildsprache.

Wenig Bewegung hingegen bei Gerhard Richter, dessen noch vor kurzem heiß begehrte Vermalungen zum Teil nur mit Abschlag verkauft werden konnten. Kopfschütteln im Saal löste der makabre Telefonwettstreit um Arbeiten des schwer erkrankten Jörg Immendorff aus. Das Ergebnis von 45 000 Euro (25 000) für die mittelgroße Leinwand "Quadriga" mochte noch einleuchten. Bei Zuschlägen über den aktuellen Galeriepreisen von bis zu 20 500 Euro (4 000) für schwache Gouachen im A4-Format aus der Serie "Café Deutschland" waren jedoch die Grenzen des guten Geschmacks überschritten.

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