Kunstmarkt
Sotheby's behauptet sein Monopol für Stammeskunst

Grimmige Gesichter und gute Götter - mit der Kunst der Ureingeborenen lässt sich viel Geld verdienen, doch nirgendwo wird so viel mit den Skulpturen und Masken verdient wie in Paris. Insbesondere das Auktionshaus Sotheby's hat im Bereich "Tribal-Art" besondere Erfolge vorzuweisen.

PARIS. Trotz eines durchaus beachtlichen, auf mehrere Auktionatoren verteilten Warenaufkommens des Tribal- Art-Sektors im ersten Semester dieses Jahres in Paris und Brüssel (bei Pierre Bergé & Associés), behält Sotheby's weltweit seine Vorrangstellung in diesem Bereich.

Den höchsten Zuschlag erzielten die Angelsachsen in New York am 16. Mai, wo eine Baga-Schlangenskulptur aus der Republik Guinea den diesjährigen Rekordpreis von 3,3 Mill. Dollar errang. Das New Yorker Gesamtergebnis von 10,2 Mill. Dollar liegt allerdings unter der Pariser Sotheby's - Stammeskunst-Totale vom 11. Juni, die sich auf 8 Mill. Euro (12,5 Mill. Dollar) belief.

Um ein sogenanntes "Sapi-portugiesisches" Elfenbein-Salzfass aus dem 16. Jahrhundert (zwischen 1498 und 1530) aus Sierra Leone, das bei Sotheby's den Rekordpreis von 1,3 Mill. Euro erzielte, rankt sich eine Kette von Merkwürdigkeiten. Das 19,5 cm hohe, höchst kunstvoll geschnitzte Salzfass zählt zu den erlesensten Objekten aus den Kunstkammern der Renaissance.

Je zwei männliche und weibliche Karyatiden tragen den sphärischen, filigran ausgearbeiteten Salzbehälter. Ein vergleichbares Salzfass aus dem Musée des Beaux Arts in Dijon befand sich von Februar bis Mai des Jahres im Musée du Quai Branly in der Ausstellung "Afrikanisches Elfenbein in den französischen Sammlungen".

Der italienische Kurator Ezio Bassani, der für die Ausstellung verantwortlich war, bildete im Katalog zwei Elfenbeinsalzfässer ab: das aus Dijon und ein zweites aus einer portugiesischen Privatsammlung, bei dem es sich evtl. um das bei Sotheby's versteigerte Objekt handeln könnte. Das nicht ausgestellte, aber in den Katalog mit der Nummer 46 aufgenommene Salzfass kommt dem bei Sotheby's versteigerten Exemplar sehr nahe. Mit Ausnahme einer Gürtelschnalle bei einer der vier Karyatiden.

Sotheby's versichert auf Treu und Glauben, dass Ezio Bassani nichts von der Einlieferung gewusst hat. Der Präsident des Musée du Quai Branly, Stéphane Martin, meint, darauf angesprochen, warum ein nicht ausgestelltes Objekt im Katalog nummeriert ist, dass es sich dabei um "einen Irrtum" handeln müsse.

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