Kunstmarktbilanz 1
Preisexplosion bei Spitzenwerken

Kunst war auch im Jahr 2012 eine krisenfeste Anlage, und die Nachfrage nach Spitzenobjekten wird weiter wachsen – solange es Nachschub gibt. Rückblick und Ausblick auf die wichtigsten Sammelgebiete.
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BerlinDie Aussichten sind gut, die Stimmung ist noch ungetrübt. Die Kunstmärkte folgen einer eigenen inneren Dynamik, die sie zu einem Günstling der Weltwirtschaft machen. Es ist kein Nischenmarkt, der die Kunst des 20. Jahrhunderts in dreistellige Millionenhöhen hebt, sondern ein Alternativmarkt. Auf ihm bedienen sich die Superreichen der Welt mit berühmten Namen wie Picasso, Rothko, Warhol und Richter schmücken. Künstlermarken fungieren in einem von niedrigen Zinsen, Rezession und Steuererhöhungen geprägten Weltmarkt als Garanten der Wertsteigerung.

Die Bedeutung von Spitzenwerken der Kunst als einem denkbar krisenfesten Gut wird eher noch wachsen, und so wird sich der Trend von 2012, der solche Objekte von Raffael bis Gerhard Richter mit Rekordpreisen bedachte, erst einmal fortsetzen – so lange es Nachschub gibt. Außerdem haben inzwischen auch die jüngeren der 1226 weltweiten Milliardäre erkannt, dass eine Kunstsammlung den Status steigert.

Attraktive Mittelware rückt in die Marktspitze

Materialmangel ist vor allem bei der marktdominanten zeitgenössischen Kunst noch nicht in Sicht. Zwar warten die Kataloge der Abendauktionen von Christie's und Sotheby's mit weniger Losen als früher auf; dafür sind sie mit Bildvergleichen und Werkanalysen „museal“ aufgebauscht. Die übliche Materialmenge ist in den folgenden Morgen- und Nachmittagsauktionen untergebracht, die dann auch wieder unerwartet hohe Zuschläge bringen wie 3,2 Millionen Dollar für ein Triptychon der abstrakten Expressionistin Joan Mitchell bei Sotheby's oder der Rekordpreis von 2,2 Millionen Dollar für ein Quadratbild von Josef Albers bei Christie's. Da ist der sogenannte Mittelmarkt schon längst in den boomenden Topmarkt hineingewachsen.

Der Geschmack sucht neue Spielwiesen

Auch in anderen Sammelsparten beginnen sich attraktive Werke des mittleren Spektrums in die Marktspitze abzusetzen. Das ist nicht nur latentem Materialschwund an Spitzenwerken geschuldet, sondern auch dem Geschmackswandel, der sich immer neue Spielwiesen sucht. Nicht nur Crossover-Sammler haben inzwischen erkannt, dass qualitätvolle Altmeistergemälde wesentlich preisgünstiger als viele Werke moderner oder zeitgenössischer Kunst sind. Ohne Übertreibung darf man sagen, dass sich für die 16 bis 22 Millionen Pfund Februar, auf die Modiglianis Porträt der Jeanne Hébuterne in Christie's Auktion vom 3. Februar angesetzt sind, eine ganze substantielle Altmeister-Sammlung aufbauen lässt.

Das Modigliani-Bildnis war 1997 für 9,7 Millionen Dollar und 2006 für 16,3 Millionen Pfund versteigert worden. Die wichtigsten Lose der Londoner Sotheby's-Auktion am 5. Februar sind neben drei Schiele-Werken aus der Sammlung Leopold das 1932 datierte Picasso-Gemälde „Frau am Fenster“, das 1997 in New York 7,48 Millionen Dollar erlöste und nun aufm 25 bis 35 Millionen Pfund geschätzt ist.

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