Kunstmesse in São Paulo
Quicklebendiger Umschlagplatz für die Kunst

Vor zehn Jahren wurde in Brasilien die internationale Kunstmesse SP-Arte gegründet. Heute gilt die Veranstaltung in São Paulo als eine der Top-Messen dieser Welt und lockt auch deutsche Aussteller nach Südamerika.
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New YorkEs gibt wohl nur wenige schönere Veranstaltungsorte für eine Kunstmesse als den von Oscar Niemeyer und Hélio Uchôa 1957 entworfenen langgestreckten Biennale-Pavillon in São Paulo. Die kürzlich zu Ende gegangene SP-Arte jedenfalls profitierte davon. Der futuristische Bau liegt mitten im belebten Ibirapuera Park.

Das milde tropische Klima macht VIP-Terrassen im Freien möglich. Innen flanieren Messebesucher, von Tageslicht umflutet, auf den von Niemeyer geliebten, sanft ansteigenden Rampen von einem Stockwerk ins andere. Die im Finanz- und Handelszentrum des Landes vor zehn Jahren gegründete Feira Internacional de Arte de São Paulo könnte nicht lebendiger sein.

Die jüngste Ausgabe im April dieses Jahres hat erneut gezeigt, dass die Messe wesentlich zur Internationalisierung des hiesigen Marktes beigetragen hat. „SP-Arte ist mittlerweile eine der Top-Kunstmessen der Welt“, so der Mailänder Galerist Nicolo Cardi. Er konnte Werke der Arte Povera und italienische Meister gut an ein kenntnisreiches Publikum vermitteln. “Concetto Spaziale, Attese” (1968) von Lucio Fontana fand bei einer Million Euro einen Abnehmer. Fontana ist hier gut bekannt. Er hatte einige Jahre lang im Nachbarstaat Argentinien gelebt.

Brasilien-Bezug findet Anklang

Auch andere südamerkanische Dauerbrenner liefen gut: Bei Leon Tovar (New York) war es die kinetische Kunst des Venezolaners Jesús Rafael Soto. Die über 40 Jahre alte DAN Galeria (São Paulo) hängte gleich mehrere farbenfrohe Flaggen-Abstraktionen von São Paulos populärstem Modernen, Alfredo Volpi aus dessen gesuchter Phase der 1950er- und 60er-Jahre auf. Die teuerste Arbeit kostete umgerechnet 1,6 Millionen Euro.

Einige internationale Teilnehmer setzten auf Künstler mit Brasilien-Bezug. Elvira González (Madrid) hängte Mobiles von Alexander Calder auf. Brasilien hatte den US-amerikanischen Bildhauer auf seinen Reisen durch dieses Land vielfach inspiriert. 1948 hatte er hier zwei sehr erfolgreiche Ausstellungen.

Le Corbusier tat sich 1936 für einige Wochen mit Niemeyer zusammen. Darauf vertraute Galerie Zlotowski, die in Paris bereits einige Kunden aus São Paulo berät. Vor einer Wand mit einer ganzen Reihe von Zeichnungen Le Corbusiers stand die Skulptur „Ozon Opus I“ (1947) aus dem Nachlass seines Holzschnitzers Joseph Savina.

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Impulse durch Steuererlass

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Bronzekonfetti von Kris Martin

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