Kunstmesse London
Teure Objekte bleiben im Lager

Auf der Frieze Art Fair kehrt die Kunstwelt nach dem Crash wieder zur Normalität zurück. Es ist, als hätte die Kunstwelt nur darauf gewartet, wieder aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Alle sind gekommen - trotz dramatisch gesunkener Finanzkraft. Einen gelungenen Auftritt haben die neue Messeabteilung "Frame" und die kuratierte "Zoo Art Fair", die ins East End ausgewichen ist.
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Alle sind gekommen. "Nur Kunstberater gibt es weniger, die haben am meisten gelitten", meint Florian Berktold von Hauser & Wirth. Der Züricher Galeriedirektor hat gerade ein Bindi-Bild von Bharti Kher verkauft. Kleine Bronzebüstenn ihres Mannes Subodh Gupta nach Duchamps bärtiger Mona Lisa (Ed. 10?) sind für 120 000 Euro noch zu haben, gehen aber schnell weg.

Der Kunstmarkt wird nicht so schnell wieder das Volumen der letzten Boomjahre erreichen, weiß Berktold, "aber dafür haben wir jetzt wieder Zeit, über die Kunst zu reden". Zum Beispiel über Ida Applegroom, die 1929 geborene New Yorkerin, deren tragisch-komische Figuren den halben Stand füllen. "Mona Lisa", die orange leuchtende Mixed-Media-Figur ist für 325 000 Dollar nur Stunden nach der VIP-Öffnung verkauft.

"Die Liquidität im Kunstmarkt ist dramatisch gesunken", konstatierte Arttactic-Analyst Anders Pettersen einen Tag vor der Frieze auf einer von Deloitte veranstalteten Kunstinvestorenkonferenz; "aber der Boden ist nun wieder einigermaßen fest". Das Angebot ist nicht nur billiger, weil die Preise gesunken sind und jeder automatisch 30 Prozent Rabatt verlangt: Viele der teuersten Objekte sind gleich in den Lagerräumen geblieben. Blue Chips wie Peter Doigs "Green Trees", ein Hochformat für 3,5 Mio. Dollar bei Michael Werner sind die Ausnahme. White Cube zeigt eine riesige Damien-Hirst-Vitrine mit chirurgischen Instrumenten, angeblich für 5 Mio. Dollar, aber der Blickfang ist die im Halboval aufgestellte Serie "Stations" aus Rachel Kneebones von Hieronymous Bosch inspirierten Höllenorgien. Gagosian hat ein Spot-Painting von Hirst für 900 000 Dollar.

Mehrfach findet man Konvex- Spiegel von Anish Kapoor (der größte bei der Lisson Gallery für 475 000 Pfund), aber der Trend geht wieder zur Handarbeit: Sogar Damien Hirst, Pionier der Kunstfabrikation, macht nun Handarbeit und zeigt in der Wallace Collection, unbekümmert vom Spott der Presse und der Konkurrenz von Tizian und Rembrandt, eigenhändig gemalte Bacon-Imitationen. Auf der Messe leistete Phillip Goldbach die größte Fleißarbeit: Er schrieb Kapitän Scotts Tagebuch in winzigster Bleistiftschrift auf einen riesigen Bogen Papier (12 000 Pfund bei Annely Juda). Barbara Weiss hat Thomas Bayrles Papp-Flecht- und Klebarbeiten (15 000 Euro). Victoria Miro hat Grayson Perrys Wandteppich, die in Auflage von Computerwebstühlen in Belgien hergestellt wurden: Der 7,40 Meter lange Walthamstow-Teppich, verlegt bei der Paragon Press, verfolgt den modernen Lebenslauf durch die Konsumwelt und kostet 48 000 Pfund (Aufl. 12).

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