„Kunstsupermarkt“
Gemälde und Skulpturen zum kleinen Preis

Kein Geld für einen echten Klimt, van Gogh oder Monet aber trotzdem soll es ein Original sein? Wer auf der Suche ist nach günstigen aber dennoch einmaligen Kunstwerken, für den lohnt sich vielleicht ein Besuch im "Kunstsupermarkt". Der Name ist Programm: Von November bis Januar bietet der Art-Discounter Unikate zu Schnäppchenpreisen an.
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DÜSSELDORF. Das Prinzip ist denkbar einfach, das Angebot üppig. Jedes Jahr mietet sich der Kunstsupermarkt zwischen November und Januar in ein leerstehendes Ladenlokal ein - bevorzugt in gut frequentierten Gegenden. Egal ob in Berlin, Frankfurt oder Wien - an jedem Standort werden in dieser Zeit Aquarelle, Acryl- und Ölgemälde sowie Kleinplastiken von 40 bis 70 nationalen und internationalen zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern ausgestellt. Neben einer großen Gruppenausstellung werden die Werke der einzelnen Aussteller außerdem mit einer repräsentativen Schau gewürdigt. Hierfür muss jeder kunstschaffende Teilnehmer mindestens 40 Originalarbeiten beisteuern. So kommt der Kunstsupermarkt auf mehrere tausend Unikate pro Standort - die nach Preisen von 50 bis 299 Euro gestaffelt sind.

Erfinder und Gründer der Kunstsupermärkte ist der Kurator Mario Terés. Der Kunsthistoriker hat jahrelang für illustre Austellungshäuser und bekannte Künstler sündhaft teure Vernissagen kuratiert, bevor er dem elitären Kunstbetrieb den Rücken kehrte, um Gemälde und Skulpturen auch weniger Wohlhabenden zugänglich zu machen. Neben der Förderung von Nachwuchskünstlern und der Kunst für den kleinen Geldbeutel, will der Spanier auch diejenigen erreichen, die sonst nicht viel mit Aquarellen oder Ölgemälden am Hut haben oder selten mal den Fuß in eine Galerie setzen. Im Gegensatz zu seinen exquisiten Ausstellungen aus früheren Zeiten, bei denen die Gäste meist nur geschaut aber nicht gekauft haben, laufen Terés Geschäfte mit den Kunstschnäppchen in Deutschland, Österreich und in der Schweiz sehr gut.

So erfolgreich das Konzept aber auch ist - wenig Anerkennung findet der Art-Discounter in der etablierten Kunstszene. Und das obwohl Qualität auch hier groß geschrieben wird und neben jungen auch etablierte und international renommierte Künstler ihre Werke ausstellen. So setzt Peter Doujak, Leiter der Kunstsupermärkte in Österreich, bei seinen Ausstellungen durchweg auf bezahlbare Werke professioneller Künstler. Doch mit den günstigen Preisen müssen zwangsläufig auch Abstriche in der Qualität hingenommen werden. Vieles geht nicht als "hohe Kunst" durch oder ist zu Mainstream produziert.

Doch davon lassen sich die Kunstschaffenden nicht irritieren: Seit der Eröffnung des ersten Kunstsupermaktes 1998 in Marburg haben sich bisher über 175 junge und renommierte Künstlerinnen und Künstler an dieser unkonventionellen Art der Kunstvermittlung beteiligt und über 30 000 Exponate gezeigt. Angst davor, dass ihre Werke dadurch in Verruf geraten könnten, haben nur die wenigsten.

Dass mit Discount-Kunst fernab vom Brimborium und dem Zauber einer Innenstadtgalerie Geld zu verdienen ist, weiss indes nicht nur Mario Terrés. Nur ein Jahr nach der Eröffnung des ersten Kunstsupermarktes in Marburg, gründete der Londoner Galerist Will Ramsay die "Affordable Art Fair" und zog schon bei der ersten Ausstellung 10 000 Besucher an. Inzwischen lockt die Messe mit Standorten in Mailand, New York oder Sydney jedes Jahr mehr als 20 000 Kunstliebhaber mit Werken, die maximal 5 000 Euro kosten dürfen. Seit ihrem Start hat die Affordable Art Fair Kunstgegenstände im Wert von insgesamt 120 Millionen Pfund verkauft.

Dass das Geschäft mit der Billig-Kunst freilich kein Selbstläufer ist, hat der Wiener Kunstsupermarkt "M-ARS" vor kurzem schmerzlich erfahren. Nachdem einige wichtige Kunden wegefallen waren, musste der ganzjährig geöffnete Supermarkt für Gegenwartskunst 2009 Insolvenz anmelden.

TERMINE

10. Berliner Kunstsupermarkt (5.11.10 bis 15.01.11) Vernissage am 5.11.2010 um 12 Uhr Q 205, UG Friedrichstr. 67-70, 10117 Berlin Mitte

12. Frankfurter Kunstsupermarkt (19.11.10 bis 29.01.11) Vernissage am 19.11.2010 um 18 Uhr Goetheplatz 7, 60313 Frankfurt

4. Wiener Kunstsupermarkt (4.11.10 bis 17.01.11) Vernissage am 3.11.10 um 17 Uhr Mariahilferstr. 103 (in der Passage), A-1060 Wien

11. Schweizer Kunstsupermarkt (19.11.10 bis 7.01.11) Vernissage am 18.11.10 um 18 Uhr Schöngrünstr. 2, CH-4500 Solothurn

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