Kunstversicherung - Art Cologne
Tücken des Leihverkehrs

Was Sammler beachten sollten, wenn sie Kunstwerke für Ausstellungen ausleihen. Erfahrungen und Tipps eines Düsseldorfer Sachverständigen mit langer Praxis.
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DüsseldorfNur Blut konnte dieser ominöse rostfarbene Flecken sein, das Blut der Verpacker. „Die benutzen doch immer so scharfe Messer“, erklärte der rheinische Industrielle dem Gutachter. Sein Bild aus altem Familienbesitz, das er für eine Museumsausstellung ausgeliehen hatte, schien er sehr gut zu kennen. Ein Ektachrome schließlich erbrachte den Beweis. Der Flecken war gemalt und vom Künstler so gewollt.

„Leihgeber schauen nachher genauer hin“, weiß Claus Gielisch, Inhaber eines weltweit operierenden Sachverständigenbüros für globale Versicherungsmärkte, aus jahrzehntelanger Erfahrung. „Sie haben ihr Objekt anders in Erinnerung.“ Deshalb sollten sie von ihrer Leihgabe zeitnah vor dem Transport ein Zustandsprotokoll anfertigen lassen.

Das Kind im Brunnen

Claus Gielisch wird in aller Regel im Schadensfall gerufen, „wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“. Mit welch einem empfindlichen Gut er es bei der Kunst zu tun hat, signalisiert seine Anspielung auf die Figur des Fischhändlers „Verleihnix“ aus der Comicserie „Asterix“. Der wollte seine Fische (etwa als Wurfgeschosse) nicht mehr verleihen, weil sie ihm allzu oft in schlechtem Zustand zurückgegeben wurden.

Auf den Umgang mit Kunst übertragen, bedeutet das, bestmögliche Vorkehrungen für die Reise des Gegenstandes zu treffen. Wem vertraue ich mein Objekt an? Welche Kunstspeditionen sind aktiv? Hat die Ausstellung nur eine oder mehrere Stationen? Läuft sie national, europaweit oder international?

Durchgehende Versicherung

Entscheidende Fragen zum Leihverkehr werden auch auf dem „4. Kunstversicherungsgespräch“ am 16. April 2015 auf der Art Cologne erörtert. Der Versicherungsmakler Stephan Zilkens hat dieses nützliche Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, das sich in diesem Jahr dem Nutzen und den Risiken der Ausleihe für alle Beteiligte widmet.

„Wichtig ist eine durchgehende Versicherung, wenn eine Ausstellung mehrere Stationen hat“, erklärt Gielisch. Das erspart gegenseitige Schuldzuweisungen. Aber manchmal kann der Verursacher eines Schadens auch im scheinbar einfachen Fall nicht mehr ausgemacht werden. So wie im rätselhaften Fall einer gut dokumentierten Dauerleihgabe, die das Museum dem Sammler zurückschickte. Sie kam beschädigt an. Die Bruchstücke fehlten jedoch in der Verpackung.

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