Kurzrezension:
Abschied vom rationalen Wähler

Wissenschaftliche Bücher haben selten eine Chance auf Millionenauflagen. Eigentlich schade. Denn Hans Mathias Kepplingers und Marcus Maurers Studie "Abschied vom rationalen Wähler - Warum Wahlen im Fernsehen entschieden werden" gehört in die Hand aller rund 61 Millionen deutschen Wahlberechtigten.

Die Mainzer Kommunikationswissenschaftler widerlegen die Vermutung der meisten Wähler, sich bei ihrer Stimmabgabe rational zu verhalten. Die Wähler orientieren sich nicht am tatsächlichen Geschehen, sondern an seiner Darstellung durch die Medien, vor allem des Fernsehens. Das aber vermittelt durch die Auswahl und Präsentation von Nachrichten und Politikern zugleich die Werthaltungen seiner Macher. Es hat den Typus des "Starpolitikers", des Fernsehprofis hervorgebracht.

Die Sachkompetenz eines Politikers wird weniger wichtig als die Sympathie, die er weckt. Doch weh dem, der lügt! Viele Wähler, die sich getäuscht fühlen, sind nachtragend und strafen "Wahlbetrüger" mit Stimmentzug. Auch dies zeigen die wiederholten Wählerbefragungen zwischen 1998 und 2002, die die empirische Basis des Buches bilden. Also: Politiker tun gut daran, nicht allzu sehr auf den Abschied vom rationalen Wähler zu vertrauen.

Hans Mathias Kepplinger, Marcus Maurer: Abschied vom rationalen Wähler - Warum Wahlen im Fernsehen entschieden werden. Verlag Karl Alber, Freiburg 2005, 28 Euro

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