Kurzrezension: Die Gräfin: Marion Dönhoff : Ein freier Geist

Kurzrezension: Die Gräfin
Marion Dönhoff : Ein freier Geist

Auf ihrem Pferd Alarich flüchtete Marion Dönhoff 1945 aus Ostpreußen nach Westfalen. Fast zwei Monate lang war die 1909 auf Schloss Friedrichsstein geborene Gräfin in den Kriegswirren unterwegs, ehe sie später als Politikchefin und Herausgeberin der Wochenzeitung „Die Zeit“ zu der bekanntesten deutschen Publizistin werden sollte. Ein Buchrezension.

HB. Die Umstände ihrer Flucht, die Klaus Harpprecht in seiner Biografie „Die Gräfin“ ausführlich schildert, machen wie kaum ein anderes Ereignis die Wesenszüge der Preußin deutlich, die ihr Leben lang willensstark und unabhängig war. „Sie war ein freier Geist“, schreibt Harpprecht, der als erster Biograf die private Korrespondenz der 2002 verstorbenen Journalistin auswerten konnte. Sein Porträt der weltgewandten Gräfin ist faszinierend, doch es gelingt ihm nicht, neuralgische Punkte wie den Beitrag Marion Dönhoffs zur Widerstandsbewegung des 20. Juli kritisch einzuordnen. Immerhin gibt er bald den etwas betulichen Stil des Vorworts auf, der allzu sehr nach Verehrung einer Dame klingt, die sich im Spannungsfeld zwischen Aristokratie und Bürgertum bewegte. In lehrreichen Exkursen beschreibt er die Geschichte Ostpreußens, aber auch die Verstrickungen des Adels in den Nationalsozialismus. Marion Dönhoff habe sich früh von den Nazis distanziert, so der Autor, doch merkwürdigerweise habe sie nie einen Kommentar zum Engagement ihrer Brüder in der NSDAP abgegeben. Auch wer wissen will, wie „Die Zeit“ sich in ihren Anfangstagen entwickelte, ist bei Klaus Harpprecht gut aufgehoben. Kerstin Schneider

Klaus Harpprecht: Die Gräfin Rowohlt, Reinbek 2008, 592 Seiten, 24,90 Euro

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