Kurzrezension
Eine Kiste explodierender Mangos

„Geistreich, elegant und herrlich anarchisch“: John le Carré fällt ein klares Urteil über die „Kiste explodierender Mangos“. Solches Lob kann kaum übertroffen werden. Insofern müsste man dem Verlag Inkompetenz vorwerfen, hätte er es versäumt, die Worte des Altmeisters des politischen Krimis nicht in lockende Werbung umzumünzen. Doch Mohammed Hanif hat mehr als einen klassischen Spionageroman produziert.

Am Beispiel jenes bis heute nicht völlig aufgeklärten Flugzeugabsturzes, bei dem im August 1988 der pakistanische Militärdiktator Zia ul-Haq, einige seiner einstigen Putschkameraden sowie der damalige amerikanische Botschafter den Tod fanden, gewährt er tiefe Einblicke in die machtpolitischen und gesellschaftlichen Strukturen des südasiatischen Landes, die auch heute brandaktuell sind: Pakistan ist geprägt von schierer Gier, hemmungsloser Korruption, Hinterlist, Intrige und natürlich von religiösem Fanatismus, der von den Protagonisten ganz nach Gusto geschürt wird.

Sicher, dass Pakistans Gesellschaft und die sie meist glücklos zu beherrschen versuchende politische Klasse zwischen vielen Polen pendeln, ist eine nicht ganz neue Erkenntnis. Doch Hanif gelingt es auf bewundernswerte Art, sie in Form oft bitterböser Satire aufzupolieren. Pietät ist seine Sache nicht, Bizarres, Skurriles, gar Häme dagegen schon. Von Rücksicht auf sein Heimatland, in dessen Luftwaffe er früher als Pilot diente, keine Spur. Eher versteckt sich zwischen den Zeilen hin und wieder eine zumindest kleine Dosis Mitleid.

Wenn man bei der Lektüre, bei der es immerhin um Grausamkeiten, um Gewalt bis hin zu mannigfachem Mord geht, nicht selten geneigt ist, sich vor Lachen auf die Schenkel zu klopfen, einem aber wenige Sätze später kalte Schauer über den Rücken laufen, dann zeugt dies davon, dass der Autor sein Genre klar beherrscht: Hanif bietet weit mehr als die in vielen sogenannten Thrillern übliche Spannung. Er leistet – selbst und gerade – mit oft tiefschwarzem Humor notwendige Hilfestellung, um die seit vielen Dekaden eintreffenden Meldungen über die pakistanische Tragödie besser gewichten und einordnen zu können. Der anhaltende Terror der Taliban im Grenzgebiet zu Afghanistan dokumentiert, wie dringend erforderlich das ist.

Eine Kiste explodierender Mangos
A1 Verlag, München 2009, 384 Seiten, 22,80 Euro

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