Kurzrezension J. Oppenheimer: „Madoff with the Money“

Wenn man der Finanzkrise einen Namen geben müsste, wäre Bernhard Madoff eine gute Wahl. Madoffs Geschichte ist eine Geschichte der Wall Street. Über Gier, Macht und Betrug; über Summen, die jede menschliche Vorstellungskraft sprengen. Doch wer genau ist dieser Mann? Jerry Oppenheimer ist mit "Madoff with the Money" ein lesenswertes Porträt gelungen - verstörend und faszinierend zugleich.
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Das Buch "Madoff with the Money" von Jerry Oppenheimer ist im Wiley-VCH Verlag erschienen. Quelle: Pressebild

Das Buch "Madoff with the Money" von Jerry Oppenheimer ist im Wiley-VCH Verlag erschienen.

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Wie konnte Bernhard Madoff mit einem einfachen Schneeballsystem Tausende Anleger in aller Welt um mehr als 60 Milliarden Dollar erleichtern? In seinem Buch "Madoff with the Money" schreibt Jerry Oppenheim über einen Mann, der überall nur Bernie genannt wird. Der liebe, nette Onkel von nebenan. Ein Chef, wie ihn sich jeder Angestellte nur wünschen kann. Dicke Boni am Jahresende, dazu üppige Geschenke zwischendurch. Wer erst einmal auf der Gehaltsliste von Madoff steht, hat es geschafft. Vor die Tür setzt Bernie normalerweise niemanden, höchstens in eine andere Abteilung.

Seine Anleger beglückt Madoff mit stattlichen Renditen. Jahr für Jahr. Während des Börsenbooms, aber auch in Krisenzeiten. Auf Bernie ist Verlass. Dass irgendetwas nicht stimmen könnte, ahnt niemand. Madoff ist wie der Weihnachtsmann, nur ohne Bart; dafür hat er eine Maske auf. Oppenheimer reißt sie runter. Zum Vorschein kommt ein Mann, der so gar nichts gemein hat mit Santa Claus. Skrupellos und gierig ist er, verschwenderisch und rücksichtslos. Ein Krimineller, ein Wahnsinniger, vergleichbar mit Psychopathen wie Charles Manson oder Jim Jones, sagt Oppenheimer.

Das Buch ist aber nicht nur ein Psychogramm des Betrügers, sondern auch eines der Betrogenen. Leichtfertig bringen sie ihr Geld zu Madoff, dem vermeintlichen Superinvestor. Der pflegt den Kult um seine Person, tut so, als dürfte nicht jeder zu seinem exklusiven Investment-Kreis gehören. Das macht die Sache umso interessanter. Dass Bernie letztlich jeden Dollar, den ihm die Anleger überweisen, gut gebrauchen kann, ahnt niemand. Erschreckend sei, schreibt Oppenheimer, wie leichtgläubig viele der Opfer waren - blind vor Gier, könnte man meinen. Dabei ist Bernie alles andere als ein Überflieger. Weder in der Schule noch im Alltag. Auf die Frage, warum er denn zwei Uhren trage, soll Madoff geantwortet haben, nur so wisse er, wann sein Büro in London geöffnet habe. Doch er ist ein guter Schauspieler. Für seine Zwecke reichte dieses Talent lange Zeit vollkommen aus.

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