Kurzrezension
Neunzig Grad Nord

"Man muss den Pol erreichen, damit die Besessenheit aufhört", schrieb der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen in sein Tagebuch. Fergus Fleming erzählt in "Traum vom Pol" Geschichten vom Nordpol nach.

"Man muss den Pol erreichen, damit die Besessenheit aufhört", schrieb der norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen in sein Tagebuch. Nichts kennzeichnet seine Obsession und die seiner eisverrückten Vorgänger wie Nachfahren besser als diese Einsicht. Nansen gelang es 1888, Grönland zu durchqueren und den 86. Breitengrad zu überqueren - doch den Nordpol erreichte er nie.

Was sie dort nicht alles suchten und vermuteten, die Kreuzfahrer der Arktis, um am Pol in die "pole position" zu gelangen! Die einen wähnten dort einen schiffbaren Weg, um vom amerikanischen zum asiatischen Kontinent gelangen zu können. Die anderen zogen wie irre Wanderprediger durch die Vortragshallen Amerikas und Europas, um Publikum und Sponsoren von einer Theorie zu begeistern, die auf der Hand liege: Man müsse nur Schiffe finanzieren und Leute anheuern.

Der Nordpol, behaupteten sie, müsse in einem offenen, vom Golfstrom eisfrei gehaltenen Meer ruhen. Dutzende verschollen im Packeis und gingen am falschen Dogma elend zu Grunde. Viele kamen mit Erfrierungen oder tiefen Depressionen zurück, manche - wie Frederick Cook - mit zusammengeschwindelten Legenden. Ihre Geschichten, ihren "Traum vom Pol", erzählt Fergus Fleming nach - teils mit einer nachgeholten Empathie, teils mit fast höhnischer Ironie, aber immer nah an den Fakten.

Fergus Fleming: Neunzig Grad Nord - der Traum vom Pol. Piper Verlag, München 2004, 566 Seiten, 13,90 Euro

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