Kurzrezension
Tage des Überlebens

Vor genau 60 Jahre, warteten viele Berliner darauf, ob Amerikaner und Briten tatsächlich ihre Besatzungszonen in der Stadt einnehmen würden. Zu ihnen gehörte auch Margret Boveri, die in "Tage des Überlebens" belegt, wie die "große Politik" das Leben der "kleinen Leute" bestimmt.

In diesen Sommertagen ist es genau 60 Jahre her, da warteten viele Berliner ängstlich darauf, ob die Amerikaner und Briten denn nun tatsächlich ihre Besatzungszonen in der Stadt einnehmen würden, nachdem die Rote Armee die deutsche Hauptstadt am 2. Mai erobert hatte. Anfang Juli kamen die Westler endlich.

Zu den Bewohnern Berlins gehörte Margret Boveri, eine Journalistin, die kurz vor Kriegsende aus Neugier freiwillig von Lissabon aus umgesiedelt war, um das Ende der Nazis und den Neuanfang zu erleben.

Sie hat faszinierende Briefe an ihre Schweizer Freunde und Familienmitglieder geschrieben, in denen sie mit großer Reportergenauigkeit den Alltag beobachtet und gleichzeitig Abhandlungen verfasst über die Weltpolitik - schließlich war die Boveri außenpolitische Korrespondentin der Frankfurter Zeitung gewesen, verfügte über Quellen in den Berliner Ministerien, die Normalsterblichen nicht zugänglich waren, und hörte die BBC.

Beide Ebenen verknüpft sie übergangslos: "Die erste Begegnung (Hopkins?) mit Stalin fand am 26. Mai statt. Dies war der Auftakt für die Entspannung, die wir (in Berlin) spürten, ohne ihren Grund zu kennen. Mietuschs hatten mich bei der Besitzerin einer Herrenschneiderei eingeführt, die Strom hatte und wohin ich mein Radio im Rucksack trug." Beleg dafür, wie die "große Politik" das Leben der "kleinen Leute" bestimmt.

Margret Boveri: Tage des Überlebens. Berlin 1945. wjs Verlag, Berlin 2004, 327 Seiten, 22 Euro

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