Kurzrezension
Wissen ist Vergnügen

Vergessen Sie das Polit-Chaos in Berlin und das Drama um Europa. Tauchen Sie ein in eine ganz andere Welt und in eine andere Zeit, in das vorrevolutionäre Frankreich des 17. Jahrhunderts. Philipp Blom schreibt über eines der größten Geistesprojekte der beginnenden Aufklärung.

Vergessen Sie das Polit-Chaos in Berlin und das Drama um Europa. Tauchen Sie ein in eine ganz andere Welt und in eine andere Zeit, in das vorrevolutionäre Frankreich des 17. Jahrhunderts. Philipp Blom hat ein wunderbares Buch geschrieben über eines der größten Geistesprojekte der beginnenden Aufklärung: den Kampf der Enzyklopädisten Diderot, d?Alembert, Voltaire und Rousseau sowie Hunderter Autoren um die Herausgabe des ersten umfassenden Wissenslexikons der Welt.

Es ist ein einzigartiges intellektuelles Abenteuer, das Blom schildert: 20 Jahre lang recherchieren und fassen die brillantesten Köpfe der damaligen Zeit das Wissen der Menschheit im vorindustriellen Zeitalter zusammen - im Kampf gegen die Zensurbehörden und in der steten Gefahr, verhaftet und in die Bastille geworfen zu werden.

Es ist aber auch das größte verlegerische Buchprojekt bis dahin überhaupt. Es geht um sehr viel Geld und noch mehr: den intellektuellen Einfluss eines erwachenden und zunehmend selbstbewussteren Bürgertums gegen den absoluten Staat und eine allmächtige Kirche.

Bloms Geschichte der Enzyklopädisten liest sich spannend wie ein Krimi. Mehr noch: Es ist geradezu ein Vergnügen für die Hände, in dem üppig mit Illustrationen ausgestatteten Buch in der von Hans Magnus Enzensberger herausgegebenen Reihe "Die andere Bibliothek" zu blättern.

Philipp Blom: Das vernünftige Ungeheuer. Eichborn Verlag, Frankfurt/M. 2005, 466 Seiten, 30 Euro

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