Kurzrezensionen
Place de la Bastille

Paul de Wit ist zwar noch nicht jene Katastrophenexistenz wie Felix Hoffman in "Hoffmans Hunger" und auch noch nicht eine jener tragikomischen Woody-Allen-Figuren auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität, die wir aus den späteren Romanen Leon de Winters kennen. Denn "Place de la Bastille" ist eins seiner frühen Werke, in den Niederlanden bereits 1981 erschienen.

Doch auch de Wit leidet unter einer Vergangenheit, die nicht vergeht. Sein Trauma sind die fehlenden Wurzeln, die Herkunftslosigkeit, denn seine Familie wurde in Auschwitz ausgelöscht. Aus diesen biografischen Erfahrungen speist sich sein Geschichtsfatalismus, der in der Geschichte nicht die göttliche Vernunft am Werk sehen kann, sondern nur den Zufall. Erst eine Reise nach Paris, eine Liaison mit Pauline und ein Foto veranlassen ihn zu dem Versuch, die Geschichte seiner Familie zu rekonstruieren. "Place de la Bastille" enthält zwar schon in Ansätzen das, was de Winters späteren Romane so erfolgreich machte, doch fehlen die ironische Brechung, der hintergründige Witz, und die Konstruktion der Erzählung mit ihren Zeitsprüngen, Reflexionen und dem Motiv des Zwillingsbruders wirkt etwas bemüht.

LEON DE WINTER: Place de la Bastille, Diogenes Verlag, Zürich 2005, 158 Seiten, 17,90 Euro

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