Kurzrezensionen
Weihnachten und die kleine Revolution

Das Handelsblatt stellt vor: "Das große Weihnachtsbuch" und "Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution".

Günter Stolzenberger: Das große Weihnachtsbuch - Erzählungen und Gedichte aus fünf Jahrhunderten Artemis & Winkler, Düsseldorf 2005, 616 Seiten, 39,90 Euro

Es weihnachtet. Und manchmal weihnachtet es so sehr, dass manch einer vergisst, welch hohe kulturgeschichtliche Bedeutung dieses Fest in Mitteleuropa hat. Da tut es gut, ein 616-Seiten-Opus in die Hand zu nehmen und sich zurückzulehnen. "Das große Weihnachtsbuch" gibt einen phantastischen Überblick über Geschichten, Lieder und Gedichte zum Weihnachtsfest. Günter Stolzenbergers Buch versammelt Martin Luther und Josef Mohr, Heinrich Heine und Thomas Mann, Hanns Dieter Hüsch und Frank Goosen in einem prächtigen Band. Die Anthologie ist ernst und heiter zugleich. Sie spannt den Bogen über fünf Jahrhunderte hinweg. Stolzenberger beweist, wie zeitgemäß die Auseinandersetzung mit Weihnachten auch heute noch sein kann. Selbst Gerhard Polt darf seinen "Nikolausi" zum Besten geben - jenen Dialog zwischen einem Vater und dessen Sohn, der nicht den Unterschied zwischen Nikolaus und Osterhase erkennen mag. Ein Buch, das in diese Zeit passt, liebevoll aufbereitet und anspruchsvoll gestaltet. Christoph Moss

Richard David Precht: Lenin kam nur bis Lüdenscheid - Meine kleine deutsche Revolution Claassen, Berlin 2005, 352 Seiten, 18 Euro

"Morgens am Tierlexikon schreiben und abends die Weltrevolution vorbereiten" - so stellt sich der kleine Richard Precht einmal seine Zukunft vor. 1964 als Sohn westdeutscher Kommunisten geboren, lernt er früh die Welt in Gut und Böse zu unterteilen. "Daktari", "Flipper" und Fernsehwerbung galten als Tabu, dafür gab es Liedermacher wie Franz Josef Degenhardt oder "Das Lied vom kleinen Trompeter" im Zeltlager der DKP. Die Eltern revolutionierten ihr Familienleben dadurch, dass sie zu den drei leiblichen Kindern noch zwei Kriegswaisen aus Vietnam aufnahmen. Prechts Erinnerungen sind weit mehr als nur unterhaltsame Anekdoten aus dem Leben unter der linken Käseglocke im provinziellen Solingen. Sowohl aus der Sichtweise des Kindes, das er damals war, wie auch aus der Perspektive des inzwischen Erwachsenen reflektiert er die politischen Mentalitäten aus der Epoche zwischen Apo und Gründungskongress der Grünen. Genau das macht den Reiz des Buches aus. Ralf Balke

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%