La Biennale de Lyon
Eine Portion Banalität zu viel

Die 13. Ausgabe der Kunstbiennale von Lyon widmet sich dem Thema „modernes Leben“. Doch die meisten Werke sind nur nett und oberflächlich. In vielen Fällen kompensiert der technische Aufwand mangelnde Kreativität. Die überzeugendsten Arbeiten konzentrieren sich in der ehemaligen Zuckerfabrik.

LyonTraditionell ist die 1991 gegründete Lyoner Kunstbiennale ein Trendsetter, auf dem Entdeckungen gemacht werden sollen. Ihre Besucher konfrontiert sie mit Kreativität, Phantasie, Ironie, (eventuell schwarzem) Humor oder gesellschaftspolitisch relevanten Themen. Gelegentlich gibt es auch eine Portion Banalität, die in diesem Jahr dominiert.

Für die 13. Ausgabe wählte Biennale-Direktor Thierry Raspail als thematische Vorgabe „Das moderne Leben“. Er kürte den amerikanischen Kunsthistoriker Ralph Rugoff (Jahrgang 1956) als Kurator, der seit 2006 das Londoner Museum „Hayward Gallery“ leitet.

Die Wahl des Kurators ist ein Missgriff. Denn in Lyon versammelt Rugoff hauptsächlich Kunstschaffende, die in Galerien, Messen und Kunstbiennalen (es gibt rund 150 weltweit) bereits auftauchten, aber noch nicht im internationalen Kunst-Karussell mitdrehen. Er zeigt oft langweilige Arbeiten mit „Déjà-vu“-Effekt, sodass die Biennale am Ende zu einer Durststrecke auf der Suche nach Kreativität, Innovation und Emotion wird.

Folgen eines globalisierten Kunstmarkts

Vermutlich unbewusst demonstriert Rugoff das aktuelle Kreativitätsdefizit. Obwohl die von ihm gewählten Künstler selten von den Mega-Galerien vertreten sind, reflektiert seine Schau die Nivellierung durch einen globalisierten, vom Kunstmarkt dominierten Geschmack des einfach Rezipierbaren, Gefälligen und Unkomplizierten.

Ausnahmen bilden nur etwa ein knappes Dutzend der insgesamt 60 Künstler aus 29 Ländern. Ihre Werke sind in der Lage, die Besucher aus der Lethargie zu reißen. Zu finden sind sie überwiegend in der ehemaligen Zuckerfabrik „Sucrière“, dem Zentrum der Biennale, kaum an den vielen anderen Orten in und um Lyon.

Sensation heischend wirkt die Schau von Anish Kapoor im Dominikanerkloster Couvent de la Tourette, das Le Corbusier Ende der 1950er-Jahre erbaute. „Anish Kapoor chez Le Corbusier“ geriet aber wohl nur deshalb in den Fokus des Interesses, weil Kapoor im Park des Schlosses Versailles ausstellt und seine dort installierte Riesenskulptur bereits drei Mal von engstirnigen Katholiken, Antisemiten bzw. Vandalen beschädigt wurde.

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