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„La vie - en passant“: Erste deutsche Ronis-Retrospektive in Aachen

Als junger Fotograf dokumentierte Willy Ronis streikende Arbeiter in Paris, zu seinem 84. Geburtstag porträtierte er sich selbst an einem Fallschirm schwebend. Dennoch: Der 1910 in Paris geborene Sohn russisch-jüdischer Auswanderer war alles andere als ein „rasender“ Fotoreporter, sondern ein stiller, manchmal ironischer Beobachter seiner Mitmenschen.

dpa AACHEN. Als junger Fotograf dokumentierte Willy Ronis streikende Arbeiter in Paris, zu seinem 84. Geburtstag porträtierte er sich selbst an einem Fallschirm schwebend. Dennoch: Der 1910 in Paris geborene Sohn russisch-jüdischer Auswanderer war alles andere als ein „rasender“ Fotoreporter, sondern ein stiller, manchmal ironischer Beobachter seiner Mitmenschen.

Als erste große Retrospektive in Deutschland zeigt das Aachener Suermondt-Ludwig- Museum rund 160 Motive aus 50 Schaffensjahren des mit vielen internationalen Preisen geehrten Fotokünstlers. Unter dem Titel „La vie - en passant“ sind sie bis zum 7. November zu sehen.

Ronis, der erst 2002 die Fotografie aufgegeben hat, gehörte zu einem Kreis von Dokumentar-Fotografen um Robert Doisneau und den kürzlich gestorbenen Henri Cartier-Bresson, die den Begriff einer „Photographie humaniste“ geprägt haben.

Zwischen den Arbeitervierteln seiner Heimatstadt Paris und den Dorfplätzen der Provence fand Ronis, der 1955 auch an der legendären Fotoschau „The Family of Man“ beteiligt gewesen ist, die Motive, die er als einfühlsame Bilder menschlicher Beziehungen festgehalten hat. Wie ein Symbol für den politischen Kampf entstand 1938 das Bild einer Streikrednerin, die über den Köpfen der Arbeiter von Citroen zu schweben scheint; die Vorliebe für eine fahle Wintersonne in seinen Bildern voll Atmosphäre lässt sich an den Darstellungen Pariser Straßenkreuzungen ablesen.

Die kleinen Vergnügen der Mitmenschen hält Ronis in Bildern wie aus dem Tanzlokal „Chez Maxe“ (1947), im Lächeln der Verkäuferinnen an einem Pariser Imbissstand („Rue Rambuteau“/1946) oder der Momentaufnahme eines wackeren Boules-Spielers fest. Breughels Bauernszenen, der rasche Pinsel der Impressionisten oder ein surrealistischer Blick standen stilistisch oft für Ronis-Fotos Pate.

Besonders liebevoll näherte sich der fotografierende Humanist den Kindern: Der Knirps, der stolz mit einem riesigen Baguette unter dem Arm nach Hause läuft, die versunken spielenden Jungs unter einem Treppenaufgang oder der „Kahn mit Kindern“ (1959) auf der Seine sind gerade im Zeitalter von Gameboy und Internet Botschaften einer „anderen“ Kinderwelt.

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