Lehman Brothers
Kunstsammlung erzielt mehr als 12 Millionen Dollar

Die besten Stücke aus der Kunstsammlung der Pleitebank Lehman Brothers kamen jetzt in New York unter den Hammer. Das Ergebnis kann sich sehen lassen - auch wenn das Werk eines der am höchsten gehypten Künstler keinen Käufer fand.
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HB NEW YORK. Kurz vor der Versteigerung von Kunst aus der Lehman-Konkursmasse am 25.9. verursachte ein Porträt des Ex-CEO Richard Fuld einen kleinen Auflauf vor Sotheby’s Haupteingang. Geoffrey Raymond, der Maler des Porträts, händigte bunte Filzstifte aus und lud jeden ein, seine Empörung auf „The Liquidated Fuld“ zu kritzeln. „You let us down!“ oder „Where is my money?“ stand da zu lesen. Laut Raymond war das gegen einen Baum gelehnte schnell gemalte Werk haarsträubende 45 000 Dollar wert.

Offenbar wollte er am großen Geldwechsel teilhaben, der seit 10 Uhr morgens im sechsten Stock bei Sotheby’s stattfand. Auch dort gab es eine ganze Menge Schaulustiger. Ein spektakuläres Schlachtfest oder Bietfeuerwerke blieben aber aus. Die Verteilung der 142 Werke aus dem Besitz von Lehman Brothers Holdings und Tochtergesellschaften fand weitgehend über die Telefone statt. „Der Name Lehman sorgte sicherlich für große Aufmerksamkeit, aber die Teilnehmer boten nur aufgrund der hohen Qualität der Kunst. Diese Sammlung wurde mit großer Sorgfalt und Weitsicht angelegt“, sagte Tobias Meyer, Sotheby’s weltweiter Direktor Contemporary Art. „Es ist schon eine traurige Provenienz“, bemerkte dazu ein Sammler.

Nach drei Stunden hatte Sotheby’s erwartete 12,3 (8,8/12) Mio. Dollar eingehämmert. Nicht schlecht für einen gemunkelten Einstandspreis von unter 2 Mio. Dollar. Die Schätzpreise waren bewusst niedrig angesetzt. „Es sollte auf jeden Fall möglichst alles verkauft werden“, sagt Meyer. Nur 24 Arbeiten blieben auf der Strecke.

Die Sammlung wurde vom New Yorker Vermögensberater Neuberger Berman seit den 1990er Jahren angelegt und gelangte mit der Übernahme der Firma im Juli 2003 in den Besitz von Lehman Brothers. Neuberger Berman-Mitarbeiter kauften nach dem Lehman-Crash im Mai 2009 51 Prozent in einem Management Buy-Out zurück. Die Berater der Sammlung, darunter Kurator Michael Danoff, ehemaliger Direktor am Des Moines Art Center (Iowa), „waren sehr gut informiert und kauften oft Künstler in den Frühphasen ihrer Karriere, noch bevor sie bekannt wurden,“ sagte Meyer. Manche sind heute internationale Kunststars. Aber damals lagen ihre Preise noch im niedrigen fünfstelligen Bereich und es gab auch kaum Mitbewerber, vielleicht sechs bis zwölf Sammler mit ähnlichen Interessen.

Lehmans Bankrott leitete eine Korrektur des Kunstmarktes ein. Trotzdem konnte Sotheby’s jetzt einige hohe Preise und Rekorde erzielen. Vor allem Künstler, die kaum auf dem offenen Markt erhältlich sind, verlangten Vorkrisengebote. Paradebeispiel ist die amerikanischen Malerin Julie Mehretu, die gerade das Guggenheim Museum New York bespielt. Sie produziert ihre Riesenformate nur sehr langsam und bleibt nach ihrem Durchbruch vor zehn Jahren sehr gesucht. Ihr wichtiges Werk „Untitled 1“ (2001) kostete einen privaten Sammler das Rekordgebot von 1,02 Mio. (Erwartung 600/800 000) Dollar. Neuberger Berman hatte das Werk kurz nach der Entstehung zu 21 700 Dollar erworben.

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