Lehmbruck Museum
Was sagt uns dieses "Bein"?

Das Duisburger Lehmbruck Museum verfügt über eine einzigartige Sammlung von internationaler Skulptur der Moderne. Erst vor kurzem erschien sein neuer Bestandskatalog. Jetzt kursieren Spekulationen um den Verkauf einer Plastik von Alberto Giacometti.
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DuisburgUngünstiger kann der Zeitpunkt nicht sein, in der das Duisburger Lehmbruck Museum den neuen Bestandskatalog seiner Skulpturensammlung vorlegt: mitten in Spekulationen um den Verkauf einer Giacometti-Plastik und in angespannter finanzieller Lage.

„Richtig ist, dass dem Lehmbruck Museum verschiedene Angebote vorliegen, Kunstwerke aus der Sammlung zu veräußern“, lässt Pressesprecher Florian Blaschke mitteilen. Nicht richtig seien allerdings die in Umlauf befindlichen Zahlen und der Kausalzusammenhang zwischen Finanzproblematik und den vorliegenden Kaufangeboten.

Angebot für das „Bein“

Eines der Kaufangebote betrifft Alberto Giacomettis Bronze „Das Bein“ von 1958/59, ein Werk mit einer Aura wie die Nike von Samothrake im Louvre. Im neuen Bestandskatalog lässt sich nachlesen, dass das „Bein“, das insgesamt sechs Mal gegossen wurde, 1960 mit Hilfe einer Spende des Kulturkreises im BDI angekauft werden konnte. Nun wollen die Museumskuratoren überprüfen, was Ihnen dieses Werk bedeutet.

Giacometti gehört zu den teuersten Bildhauern der Moderne, seit im Februar 2010 für die Bronzefigur seines „Schreitenden“ 65 Millionen Pfund (umgerechnet 74 Millionen Euro) bezahlt wurde. Für das „Bein“ wäre eine deutlich niedrigere, aber zweistellige Millionen-Euro-Summe durchaus vorstellbar. Doch das will das Museum nicht kommentieren.

Rücklagen für Restitutionsfälle

Das Angebot für das „Bein“ steht den Angaben des Museums zufolge in Zusammenhang mit Bemühungen, ein weiteres bedeutendes Werk Giacomettis zu erwerben. Zurzeit befinden sich – inklusive „Bein“ – drei Giacometti-Plastiken in der Sammlung, darunter auch die bemalte Gipsplastik „Frau auf dem Wagen“, eine Dauerleihgabe des Freundeskreises, die als eines der „absoluten Spitzenwerke“ gilt. Dazu möchte Museumsdirektor Raimund Stecker gern ein gleich großes Bild erwerben, das Giacometti zeitgleich auf seine Atelierwand malte.

In Duisburg, das die größte museale Giacometti-Werkgruppe in Deutschland besitzt, würde damit die wichtigste Phase in der Entwicklung des Bildhauers „so signifikant vertreten sein, wie an keinem anderen Ort“, erklärt Stecker Überlegungen, die ihn bereits seit fast drei Jahren beschäftigen. Gerne würde das Museum darüber hinaus seinen expressionistischen Skulpturen-Bestand ergänzen und Rücklagen etwa für Restitutionsfälle einstellen. Auch dies würde durch die Kaufangebote möglich.

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