Leichenblass im Sommer
Salzburger Festspiele leiden unter der Krise

Ben Becker sieht furchterregend aus: Mit glatt rasiertem Schädel tritt der deutsche Schauspieler auf, die helle Schminke bleicht den Körper leichenblass. Becker spielt den „Tod“ im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen, die am Samstag in der österreichischen Stadt beginnen. Und beinahe wären auch die Verantwortlichen in Salzburg leichenblass geworden – denn die Krise plagt die Festspiele.

SALZBURG. Wie in jedem Jahr wird es nicht nur ein großes Kulturfest, sondern auch ein Treffpunkt für Unternehmen und Politik. So zählen Siemens und Audi zu den größten Sponsoren der Festspiele. Die Salzburger Veranstaltung ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die gesamte Region - der Etat liegt bei 50 Millionen Euro. Wegen der Krise rufen die großen Unternehmen jetzt aber weniger Kartenkontingente ab. „Die Firmen halten sich zurück“, sagt Gerbert Schwaighofer, der kaufmännische Direktor der Festspiele. Insbesondere teure Karten bleiben liegen. Die Organisatoren sind allerdings überzeugt, dass sie trotzdem über die Runden kommen – indem sie mehr Karten an private Salzburg-Besucher verkaufen.

Dabei würde ohne die Unterstützung durch große Konzerne in Salzburg nicht viel gehen. Siemens, Nestlé, Credit Suisse, Audi und der österreichische Versicherer Uniqa sind die wichtigsten Sponsoren. Jedes der Unternehmen lässt sich den Auftritt in Österreich knapp 800 000 Euro kosten. Audi ist am weitesten in der Stadt sichtbar, die Ingolstädter stellen den Fuhrpark der Festspiele.

Allerdings spüren auch die Ingolstädter die Zurückhaltung im Kartenverkauf. Weltweit können Kunden der VW-Tochter bei Autohändlern Karten bestellen. „In diesem Jahr spüren wir einen deutlichen Rückgang“, sagt Hermann Becker von der Porsche-Holding, die Audi in Österreich vertritt.

Beinahe hätte es noch viel größere Probleme mit den Salzburger Festspielen gegeben. Auslöser war ein innerösterreichischer Streit um das Anti-Korruptionsgesetz des Landes. Die alte Fassung des Gesetzes bestimmte, dass „Amtsträger“ in Österreich von Unternehmen keine Eintrittskarten annehmen dürfen. Die Salzburger Festspiele eingeschlossen.

Den Salzburger Veranstaltern ging diese Regelung jedoch zu weit. „Nicht jede Einladung darf unter den Generalverdacht geraten, dass daraus ein Kriminalfall wird“", sagte Helga Rabl-Stadler, die Präsidentin der Festspiele.

Unterstützung bekamen die Veranstalter von Siemens. Der Münchener Konzern verlangte ebenfalls eine Nachbesserung des österreichi-schen Anti-Korruptionsgesetzes. Leidgeprüft nach dem weltweiten Bestechungsskandal müssen die Deutschen sehr genau aufpassen, dass sie nicht schon wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Siemens war nicht klar genug definiert, was im Gesetz unter „Amtsträger“ zu verstehen ist.

Die österreichische Regierung hat dem Drängen aus Salzburg und München nachgegeben. Anfang Juli, noch rechtzeitig vor dem Beginn der Festspiele, hat das Parlament in Wien eine Neufassung des Gesetzes verabschiedet. Darin wird festgelegt, dass Mitarbeiter von staatsnahen Unternehmen Eintrittskarten wieder annehmen dürfen, „Amtsträger“ sind ausschließlich Beschäftigte in den Behörden. Festspiel-Chefin Rabl-Stadler freut sich, dass die Sponsoren ihre Karten wieder großzügiger verteilen können. Siemens wird davon auch Gebrauch machen. „Das neue Gesetz schafft Rechtssicherheit für unsere Kunden“, sagt Harald Stockbauer von Siemens Österreich.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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