Leipziger Buchmesse
Autor + Auszeichnung = Auflage

Nächste Woche wird der Preis der Leipziger Buchmesse vergeben. Einer der Favoriten ist Thomas Lang mit seinem Roman "Am Seil". Die Auszeichnung ist mit insgesamt 45 000 Euro dotiert.

BERLIN. In Deutschland herrscht wahrlich kein Mangel an Literaturpreisen. Thomas Lang, Jan Faktor und Arne Roß erhielten schon vor der Veröffentlichung für Ausschnitte aus ihren neuen Romanen wichtige Auszeichnungen. Jetzt ist Lang sogar mit seinem Roman "Am Seil" einer der Favoriten für den "Preis der Leipziger Buchmesse". Die Auszeichnung wird am nächsten Donnerstag zum zweiten Mal vergeben. Sie ist mit insgesamt 45 000 Euro dotiert.

Lang bekam bereits im vorigen Jahr für das Schlusskapitel seines Buchs den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis. In Leipzig sind in der Kategorie Belletristik neben ihm die Autoren Judith Kuckart, Paul Ingendaay, Clemens Meyer und Ilija Trojanow nominiert.

Doch bringen solche Ehrungen überhaupt etwas ein? Es wird wohl kaum ein Land geben, in dem Autoren häufiger ausgezeichnet werden als in Deutschland. Dabei gilt das Prinzip: Wer hat, dem wird gegeben. Ein Preis zieht meistens mehrere nach. Doch meist ist das Preisgeld gering, der Ruhm auch. Bei dieser "Preistreiberei" bleibt die mediale Aufmerksamkeit zudem aus. Es sind wohl nur Insider, die die Empfänger der wichtigsten Literaturauszeichnungen benennen können. Weitgehend unbekannt bleiben selbst die Träger des Joseph-Breitbach-Preises, obwohl er mit 120 000 Euro der höchstdotierte deutsche Literaturpreis ist.

Nur wer eine renommierte Ehrung wie den Büchner-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels oder den mit insgesamt 37 500 Euro dotierten Deutschen Buchpreis sein Eigen nennt, wird wahrgenommen. So ging es auch Arno Geiger, dessen Familienroman "Es geht uns gut" sich mehr als 200 000 Mal verkaufte, nachdem er im vergangenen Jahr dafür den erstmals vergebenen Deutschen Buchpreis erhalten hatte. Ein erstaunlicher Erfolg: Zwei- bis dreitausend, auch mal fünf- bis siebentausend Exemplare gelten sonst in der Belletristik als Durchschnittsauflage. Übertroffen wird Geiger von dem Triumphzug des erst 31-jährigen Autors Daniel Kehlmann, der seinen ebenfalls für den Deutschen Buchpreis nominierten Roman "Die Vermessung der Welt" schon 450 000 Mal verkauft hat. Die Buchrechte sind in 21 Länder gegangen.

Ob sich Thomas Langs Buch "Am Seil" zu einer solchen Erfolgsgeschichte entwickelt, ist nicht absehbar. Denn das Thema Krankheit und Tod ist sperrig. Doch der Roman verdient großes Lob. Der Autor schreibt in seiner Vater-Sohn-Geschichte lakonisch, bissig und trotzig über das Altwerden. Der kranke Bert liegt im Pflegeheim und will sterben. Als sein Sohn Gert, ein gescheiterter TV-Moderator, ihn unerwartet im Heim besucht, fasst der Vater einen unglaublichen Plan: Er will, dass ihm sein Sohn beim Sterben hilft. Lang bereitet das Tabuthema Sterbehilfe bei aller Beklemmung mit Witz und Komik auf. Das macht seinen knappen Roman zu einem literarischen Ereignis.

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