Lempertz
Wie man Wertloses in Gold verwandelt

Bei Lempertz’ Versteigerungen Alter Kunst gab es viele Überraschungen. Ein kitschiges, kleines Porzellan-Hündchen kostete erstaunliche 6 000 Euro. Ein Brueghel-Gemälde konnte seinen Schätzpreis verzehnfachen, ein Rubens-Porträt hingegen ging zurück.
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KÖLN. Kein anderes Kunstwerk war so gefragt wie „Der Alchemist“: Ein zerlumpter Mann versucht, am Herd aus wertlosen Gegenständen Gold zu destillieren. Seine Familie stürzt er damit ins Elend – das schildert der Maler dann im Hintergrund.

Mariana Mollenhauer de Hanstein, die Expertin für Alte Meister im Auktionshaus Lempertz, hat es sehr vorsichtig einem „Nachfolger von Pieter Brueghel d.Ä.“ zugeschrieben und die Taxe bei niedrigen 150 000 bis 200 000 Euro belassen. Doch vier Händler und ein Privatbieter wussten offenbar mehr über das Gemälde, das sich 150 Jahre in einer belgischen Familie befand und durch eine Zeichnung von Pieter Brueghel d. Ä. bekannt ist.

In zähen Schritten boten sich die Kenner gegenseitig hoch. Bei 1,4 Mio. Euro fiel der Hammer. Mit Aufgeld kostet das große moralische Gemälde über die menschlichen Irrungen und Wirrungen einen ausländischen Händler 1,7 Mio. Euro (brutto, ohne MwSt.). Der höchste, in diesem Jahr erzielte Altmeister-Preis in Deutschland. Aber der steht doch im Schatten jener 7 Mio. Euro, die das Wiener Dorotheum für Frans Franckens II Gemälde von den Tugenden und Lastern einnehmen konnte.

Sehr zufrieden äußert sich Mariana Hanstein zu überraschenden Preissprüngen sowie zu dem Brutto-Gesamtumsatz der beiden Auktionen vom 19. und 20. November. Der liegt mit 7,1 Mio. Euro genau zwischen den beiden letzten Vergleichsauktionen (5,5 Mio. Euro 11/2009; 9,5 Mio. Euro 5/2010). Auch die anderen Gemälde der weit verzweigten Brueghel-Werkstatt fanden Liebhaber. In den Handel geht für 696 000 Euro das bestens erhaltene Kupferbild mit einer weiten Landschaft von Jan Brueghel d.J. Seine ovale Sommerernte sicherte sich ein Sammler aus Österreich für 168 000 Euro.

Zwei russische Bieter und ein Lübecker Museum stritten sich um ein Renaissancebild des Lübecker Malers Hans Kemmer. Auf 20 000 bis 22 000 Euro geschätzt, muss das Museum 50 000 Euro für „Christus und die Ehebrecherin“ aufwenden. Eine nachdenkliche Madonna von Giacomo Francia, die den Christusknaben auf einer Brüstung präsentiert, gefiel zwei Russen, die die obere Schätzung mit 60 000 Euro glatt verdoppelten. Wie üblich war ein weiterer Russe bereit, für ein Segelschiff auf bewegter See von Iwan K. Aiwasowski 204 000 Euro zu bewilligen.

Zu den Überraschungen zählt für Expertin Mariana Hanstein auch, dass der rheinische Landschaftsmaler Max Clarenbach (1880-1952) nun auch im britischen und kalifornischen Handel begehrt ist. Für die typische winterliche Flusslandschaft muss ein rheinischer Sammler den Schätzpreis auf 28 000 Euro verdoppeln.

Ganz ohne Gebote bleiben Rubens’ übermaltes „Herodias“-Fragment, die marktbekannte Ansicht der Düsseldorfer Andreaskirche des Jan van der Heyen, Johann Clausen Dahls Kopenhagener Hirschpark und Cornelis Springers Besuch des Stadtrats Grootenhys in einem Gildehaus.

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