Kultur + Kunstmarkt
Liebesbeweis und dörflicher Brauch

Zum Beginn des Wonnemonats Mai erlebt ein alter Brauch eine Renaissance: Verliebte Männer greifen am 1. Mai immer häufiger zu einem Maibaum als Beweis der Gunst für ihre Liebste.

dpa KöLN/HAMBURG. Zum Beginn des Wonnemonats Mai erlebt ein alter Brauch eine Renaissance: Verliebte Männer greifen am 1. Mai immer häufiger zu einem Maibaum als Beweis der Gunst für ihre Liebste.

Die Tradition des Orts-Maibaums, der vor allem in ländlichen Gebieten von Vereinen oder der Dorfjugend auf einem zentralen Platz aufgerichtet wird, ist weiter ungebrochen. In diesem Jahr werden in Deutschland rund 35 000 Maibäume von Männern jeden Alters für ihre Angebetete aufgestellt, berichtete der Verband der Deutschen Holzindustrie am Freitag. „Diese Tradition ist in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden, da die alten Bräuche gut ankommen und mehr wert sind als eine Liebeserklärung per SMS“, sagte Verbandschef Dirk-Uwe Klaas in Köln.

Der Verband warnte verliebte Männer vor unbedachtem Handeln. „Die Polizei fahndet nach Maibaumdieben und achtet in diesen Tagen besonders darauf.“ Um illegalem Holzeinschlag vorzubeugen, verkaufen Forstämter, Waldbesitzer und Bauern gezielt Birken in der richtigen Größe zur Verwendung als Maibaum.

Nach Angaben von Volkskundlern ist der jahrhundertealte Brauch auch sonst mit der Zeit gegangen: Wusste in dörflicher Umgebung früher jeder, welche heiratsfähige Frau mit einem Baum vor dem Haus gemeint war, ist heute immer öfter ein Namensschild notwendig, wenn die Birke vor ein Mehrfamilienhaus gesetzt wird. „Neuerdings setzen auch Mädchen Maibäume - im vergangenen Jahr mit der Berufung auf das Schaltjahr“, erklärte Alois Döring vom Amt für rheinische Landeskunde in Bonn. Dass in Schaltjahren auch das weibliche Geschlecht Maibäume aufstellt, ist für Brauchtumsforscher jedoch durch nichts belegt.

Vor allem in ländlichen Regionen müssen Maibäume traditionell bewacht werden, um Diebstahlsversuche abzuwenden. Dennoch bestohlene Eigentümer müssen ihren Baum auslösen, meist mit Bier und einer deftigen Mahlzeit. Bei spektakulärsten Diebstahl dieser Art war im vergangenen Jahr das 20 Meter lange und rund 800 Kilogramm schwere „Traditionsstangerl“ von der Zugspitze gestohlen worden. Die Entführer des Maibaums hatten dafür einen Hubschrauber eingesetzt.

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