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Neuer Trend bei Großstadt-Paaren

Gleich und gleich gesellt sich gern - aber nicht mehr unbedingt in einer gemeinsamen Wohnung. In deutschen Großstädten geht der Trend bei Paarbeziehungen nach einer Studie der Berliner Humboldt-Universität (HU) in eine spürbar neue Richtung.

dpa BERLIN. Gleich und gleich gesellt sich gern - aber nicht mehr unbedingt in einer gemeinsamen Wohnung. In deutschen Großstädten geht der Trend bei Paarbeziehungen nach einer Studie der Berliner Humboldt-Universität (HU) in eine spürbar neue Richtung.

„Living Apart Together“ (LAT) heißt das begehrte Lebensmodell, bei dem jeder Partner bewusst eine eigene Wohnung behält, sich aber dennoch in einer ernsthaften und dauerhaften Beziehung fühlt. In den vergangenen 15 Jahren sei diese Lebensform vor allem bei Paaren ab Ende 30 immer beliebter geworden, sagt HU-Forscherin Wiebke Neberich.

Zahlen, die den Trend belegen, erhebt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung jährlich in einem repräsentativen, sozioökonomischen Panel. Der Anteil an Paaren, die in getrennten Haushalten lebten, stieg dabei von 11,6 Prozent im Jahr 1992 auf 13,4 Prozent im Jahr 2006. Das sieht auf den ersten Blick nicht nach viel aus. HU-Psychologin Neberich und ihre Kollegen werteten aber auch die Altersgruppen der Paare aus, die „getrennt-zusammen“ lebten. Bei Frauen über 38 Jahre stieg dabei der Anteil von 1992 bis 2006 von 4,7 auf 7,9 Prozent an, bei den Männern von 4,6% auf 8,4%. „Das stellt einen proportionalen Anstieg von 70 bis 80 Prozent dar“, erläuterte Neberich. Je größer die Städte waren, desto mehr Lats fanden sich dort - insbesondere in den Altersgruppen über 27 Jahre.

Während junge Paare in ihren 20ern den LAT-Zustand häufig als Zwischenlösung bis zum Zusammenziehen betrachteten, scheinen sich ältere Partner ab Ende 30 ganz bewusst für eine „getrennt-zusammen“-Beziehung zu entscheiden. „Sie sehen dieses Modell als attraktive und langfristige Alternative, nicht mehr als Übergangssituation“, berichtete Neberich.

Nach den bisherigen HU-Untersuchungen fühlten sich Paare mit ihrem Living-Apart-Together-Konzept genauso glücklich wie Partner in einer gemeinsamen Wohnung. Ein bisschen weniger Lebenszufriedenheit zeigten dagegen Singles. In ihren Persönlichkeitsbeschreibungen geben LAT-Partner auch häufiger Adjektive wie offen, extrovertiert, erfinderisch oder intellektuell an als traditionell lebende Paare.

Welche Chancen und Risiken im LAT-Modell liegen und wie sich die Dynamik zwischen Nähe und Distanz im Alltag genau auswirkt, wollen die HU-Forscher in einem nächsten Schritt herausfinden und dann mit traditionellen Paarbeziehungen vergleichen. Für diese Stufe der Untersuchung werden aus beiden Gruppen noch Paare gesucht, die einen Monat lang rund zehn Minuten am Tag ein Online-Tagebuch führen. Die Angaben werden vertraulich behandelt und anonymisiert. Als Dank erhalten alle Paare eine Rückmeldung der HU-Psychologen über ihre emotionalen Bedürfnisse und ihre Erwartungen in ihrer Beziehung.

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