Literarischer Gigant Indien
Literatur als „Lebensmittel“

Indien ist ein Land der krassen Gegensätze. Bittere Armut trifft auf immensem Reichtum, starre Traditionen finden sich neben weltoffenen Lebensentwürfen. Die gesellschaftliche Vielfalt spiegelt sich in der Literatur des diesjährigen Gastlandes auf der Frankfurter Buchmesse wider.

HB FRANKFURT/MAIN. Ein literarischer Gigant sei Indien, sagt Peter Ripken, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika, da gebe es natürlich alle möglichen Tendenzen.

Hier zu Lande werden meist nur die in englischer Sprache schreibenden Autoren wie Salman Rushdie, Vikram Seth und Arundhati Roy wahrgenommen. Was in den vielen Regionalsprachen des Landes erscheint, erreicht kaum europäische Leser, obwohl gerade diese Publikationen die ganze Faszination des indischen Subkontinents vermitteln können.

Die teils bittere Realität in dem wirtschaftlich boomenden Staat mit einer Bevölkerung von mehr als einer Milliarde Menschen beeinflusse das Selbstverständnis und die Themenwahl der Autoren, sagt Ripken. Angesichts der drängenden und allzu widersprüchlichen Realitäten gebe es weniger bestimmte, wiederkehrende Themen als vielmehr ein ungemein breites Spektrum an Literaturströmungen.

"In Indien ist die Grenzüberschreitung, das Zuhause-Sein in mehreren Genres, eher charakteristisch", sagt Ripken. "Wir haben in Deutschland mehr den Bezug auf Personen, sozusagen die psychologische Geschichte, das gibt es in dem Ausmaß nicht, das sind alles sehr viel stärker realitätshaltige Texte."

Der enorme wirtschaftliche Aufschwung Indiens spiegele sich in der Literatur nicht wirklich wider, betont Martin Kämpchen. "Dieser Aufschwung geschieht ja nur in einem kleinen Teil der Bevölkerung", erklärt der Schriftsteller und Herausgeber, der seit 1980 in Indien lebt. "Die Literatur will eher zeigen, dass Indien eben nur teilweise an den Segnungen des Konsums und der Globalisierung teil hat, sie zeigt lieber die Spannungen zwischen Aufschwung und Armut, zwischen Moderne und Tradition, zwischen Globalisierung und provinzieller Kultur auf."

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