Literatur
Eckart von Hirschhausen: „So schlimm war das Jahr nicht“

Seit Monaten werden die Menschen mit negativen Schlagzeilen bombardiert: Banken stehen vor der Pleite, Autofirmen brauchen Milliarden-Unterstützung, Arbeitsplätze werden gestrichen. Kein Wunder, dass sich viele nach positiven Nachrichten sehnen. Da kommt der Wissenschaftskabarettist Eckart von Hirschhausen mit seinem neuen Buch "Glück" gerade richtig.

DÜSSELDORF. Als die „Bild“-Zeitung vor wenigen Wochen einen Tag lang nur mutmachende Schlagzeilen druckte, war die Resonanz groß. So groß, dass auch andere Zeitungen dem Vorbild folgten.

Gerade weil die Deutschen Weltmeister im Jammern sind, suchen sie auch immer ein bisschen Trost, sind auf der Suche nach dem Glück. Es gibt unzählige Ratgeber zu dem Thema. Esoterische sowie philosophische Abhandlungen, aber auch Lebenshilfen, die zeigen, dass das Glück gar nicht so weit entfernt liegt.

Jetzt ist ein neues Glücksbuch erschienen. Geschrieben hat es der aus dem Fernsehen bekannte Mediziner und Kabarettist Eckart von Hirschhausen. Auf den ersten Blick denkt man, na gut, da versucht der Wissenschaftskabarettist sein aktuelles Programm „Glücksbringer“ ein zweites Mal zu vermarkten. Beim zweiten Hinsehen aber entpuppt es sich als wesentlich mehr: Von Hirschhausen vermischt humorvoll uraltes Wissen mit Erklärungen der Wissenschaft von heute und macht den Leser so sensibel für die täglichen Jammerfallen.

Über fünf Jahre habe er an dem Buch gearbeitet, sagt der Autor. Natürlich hätten die Erfahrungen aus dem Kabarettprogramm geholfen, das Buch so pointiert zu schreiben, gibt er zu. Die meisten Tipps habe er selbst ausprobiert. Dabei habe sich gezeigt, dass es eine einfache Glücksformel nicht gibt. „Wir leben in einem der reichsten Länder der Welt, sind aber beim Thema Glück nie über das Mittelmaß hinausgekommen“, so sein Eindruck. Das liege vor allem daran, dass sich die Menschen sehr schnell an Annehmlichkeiten gewöhnen und diese bald nicht mehr zu schätzen wissen.

Immer mehr Menschen fühlten sich für die Misere der Wirtschaft verantwortlich, so von Hirschhausen. Sie wollten ja kaufen, sagen sie. Aber was? „Die Qual der Wahl führt bis zur Depression und zum kompletten Konsumverzicht“, weiß der Kabarettist aus zahlreichen Gesprächen. Schon beim Kauf von Erdbeermarmelade seien wir Deutschen überfordert. „Die Marke kenn ich. Ist die vielleicht besser? Die hat nur Erdbeer, die andere Erdbeer-Mango. Die hält noch zwei Monate, die sogar acht! Ist das nun gut oder schlecht?“ Fragen über Fragen. Und was kauft man am Ende? „Nutella“, so Hirschhausen augenzwinkernd.

Ein anderes Problem der Deutschen: der Erfolg. „Überraschenderweise fühlen sich mehr Menschen unglücklich, wenn sie materiellen Wohlstand erreicht haben, als wenn sie danach streben“, sagt der Glücksforscher. Habe man es geschafft, dann sei man nicht etwa glücklich, sondern eher mies drauf. Das liegt vor allem daran, dass wir uns gerne in unserem Umfeld vergleichen. Wir schauen zwar über den Tellerrand, aber nicht besonders weit – gerade weit genug, bis wir die Nachbarn sehen, denen es ein bisschen besser geht als uns. Und, zack, geht es uns wieder schlechter. Und wie kommen wir durch die Krise? Von Hirschhausen: „Meine Prognose für das Jahr? Es ist das Jahr, auf das wir in drei Jahren zurückblicken werden und denken: So schlimm war es doch gar nicht.“

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