Literatur
Kann Globalisierung gerecht sein?

Wasser, Nahrung, Bildung: Gelingt die gerechte Verteilung lebenswichtiger Ressourcen? Neue Bücher suchen hierauf Antworten und schildern, wie die Menschen in Zeiten der Globalisierung, des demografischen Wandels und der drohenden Klimakatastrophe mit knappen Gütern umgehen.

DÜSSELDORF. Drei- bis viermal am Tag machen sich Husseina und Adiba aus dem jemenitischen Dorf Beit Hujeira mit ihren Kanistern auf den Weg. 20 Minuten laufen sie bis zur Zisterne, aus der sie das Wasser für ihre Familien schöpfen. Andere Frauen sind zwei Stunden oder länger unterwegs. Wasserholen ist im Jemen traditionell Aufgabe der Frauen und Mädchen und kostet sie nicht selten einen Großteil des Tages.

Die Journalistin Birgit Kaspar beschreibt das harte Leben der Frauen von Beit Hujeira in dem Buch "Weltmacht Wasser". 15 Journalisten des Netzwerks "Weltreporter.net" berichten darin über den täglichen Kampf ums Wasser in Amerika, Asien, Afrika und Europa. So erzählt etwa Handelsblatt-Korrespondent Klaus Ehringfeld, wie sich Mexiko-Stadt selbst das Wasser abgräbt: 6,1 Mrd. Liter Trinkwasser schluckt der Moloch jeden Tag, doch jeder dritte Liter versickert ungenutzt durch lecke Rohre. Der Grundwasserspiegel ist bereits dramatisch gesunken. Steuert die Politik nicht gegen, könnte die düstere Prophezeiung des Schriftstellers Homero Aridjis bald Wirklichkeit werden: "Es ist bittere Ironie, dass die Stadt, die einst auf Wasser erbaut wurde, am Wassermangel eingehen wird."

Wasser ist auf der Welt zwar reichlich vorhanden, aber äußerst ungleich verteilt. Die "Weltreporter" illustrieren anschaulich, welche Probleme und Fragen sich daraus ergeben. Wie teuer darf eine Ressource sein, ohne die kein Mensch leben kann? Ist Wasser umsonst zu haben, wird es oft verschwendet, ist es zu teuer, stehen Existenzen auf dem Spiel. Weil sie den Zugang zu sauberem Wasser als menschliches Grundrecht sehen, rebellieren etwa die Menschen in Johannesburgs Township Soweto gegen den Einbau von Zählern.



Darf man bei der Verteilung lebenswichtiger Güter auf die Kräfte des Marktes vertrauen, oder kann sie allein der Staat übernehmen? Oder ist Knappheit mancherorts nicht gerade Folge einer katastrophalen Regierungspolitik? So liegt im usbekischen Muniak eine Fischfabrik heute mitten in der Wüste, weil die Sowjets einst Wasser für endlose Baumwollfelder abzweigten und so den Aralsee fast austrocknen ließen. Und was, wenn knappe Ressourcen nicht nur innerhalb der Landesgrenzen, sondern auch zwischen Staaten zu verteilen sind? Ägypten, dessen Wasserversorgung fast ausschließlich vom Nil abhängt, säße auf dem Trockenen, sollte Äthiopien angedachte Staudammprojekte verwirklichen.



Der Frage, wie die Menschheit in Zeiten der Globalisierung, des demografischen Wandels und der drohenden Klimakatastrophe mit knappen Ressourcen umgeht, widmen sich auch die Bücher der Journalisten Petra Ramsauer und Henrik Müller. Die österreichische Auslandsreporterin beleuchtet die Ursachen der Nahrungsmittelkrise des Jahres 2008. Wie konnte aus der Landwirtschaft ein "profitorientierter Wirtschaftszweig ohne Fangnetz für Mensch und Natur" werden, der Hungerzonen als "Kollateralschaden" hinnimmt?

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