Literatur-Nobelpreis „Herta Müller ist eine große Sprachkünstlerin“

Überraschung in Stockholm: Zum dritten Mal in der Nachkriegsgeschichte geht ein Literatur-Nobelpreis nach Deutschland. Nach Heinrich Böll und Günter Grass bekommt in diesem Jahr die in Berlin lebende Rumäniendeutsche Herta Müller den wichtigsten Literaturpreis der Welt verliehen.
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Schriftstellerin Herta Müller am Mittwoch bei einer Lesung aus ihrem neuen Werk "Atemschaukel" im Literaturhaus Stuttgart. Quelle: dpa

Schriftstellerin Herta Müller am Mittwoch bei einer Lesung aus ihrem neuen Werk "Atemschaukel" im Literaturhaus Stuttgart.

(Foto: dpa)

STOCKHOLM. Die Buchmacher hatten es geahnt, doch in Stockholm wollten es die zum Teil selbst ernannten Experten bis zuletzt nicht glauben: Als dann, Punkt 13 Uhr, der neue Generalsekretär der Schwedischen Akademie vor die Mikrofone der Weltpresse trat, war die Sensation perfekt. Herta Müller erhält den diesjährigen Literaturnobelpreis. Die höchste literarische Auszeichnung der Welt wird der im rumänischen Siebenbürgen aufgewachsenen und seit 1987 in Deutschland lebenden Schriftstellerin verliehen, "die mittels Verdichtung der Poesie und Sachlichkeit der Prosa Landschaften der Heimatlosigkeit zeichnet", las Englund aus der Begründung der Schwedischen Akademie.

"Herta Müller ist eine ganz große Sprachkünstlerin", wird Englund wenige Minuten später noch sagen. Und auch, dass es eine einfache Wahl war. "Sie schreibt kurze Sätze, beobachtet, verwendet viele Bilder. Und sie hat etwas zu erzählen."

Selten ist es der für die Literaturnobelpreisvergabe verantwortlichen Schwedischen Akademie gelungen, so aktuell bei der Auswahl der Literaturnobelpreisträger zu sein wie in diesem Jahr: Denn Müllers erst im Sommer erschienener Roman "Atemschaukel" gilt unter Kritikern als einer ihrer eindrucksvollsten und intensivsten. In "Atemschaukel" schildert die 1953 in Nitzkydorf/Rumänien geborene Müller das Schicksal eines deutschstämmigen Rumänen, der Ende des Zweiten Weltkriegs in ein sowjetisches Lager deportiert wurde.

Die Gefühle von Heimatlosigkeit und Fremdsein ziehen sich durch das gesamte Werk der 56-Jährigen, die mit "Drückender Tango" (1982), "Der Fuchs war damals schon der Jäger" (1994) und "Heute wär ich mir lieber nicht begegnet" (1997) immer wieder die Schikanen einer in den letzten Zügen liegenden Diktatur schilderte.

Herta Müllers bisheriges in über 20 Sprachen übersetztes Werk trägt stark autobiografische Züge. Sie wurde vom berüchtigten rumänischen Geheimdienst Securitate schikaniert, musste tagelange Verhöre und wiederholte Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Alles, weil sie die Brutalität des Ceaucescu-Regimes in bedrückenden Bildern schilderte.

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