Literatur
Strahlende Zukunft

Viele Bücher über Energie sind vor allem Anklageschriften gegen große Konzerne. Doch es geht auch anders.

DÜSSELDORF. Die Menschen sind von der Energie so abhängig wie ein Kleinkind von der Mutter. Ohne Strom aus der Leitung bleiben die Wohnungen dunkel, und fast das ganze computergesteuerte öffentliche Leben bricht zusammen. Ohne Öl- und Gaslieferungen fallen Heizungen aus, Krankenwagen müssen ungenutzt in den Wachen bleiben und die Menschen zu Fuß mitunter kilometerweit zum nächsten Supermarkt laufen.

Kein Wunder also, dass die großen Energieunternehmen Versorger genannt werden. Immerhin schicken sie Tag für Tag die lebenswichtige Energie in die Wohnungen und Häuser. Doch diese existenziell notwendige Beziehung hat auch ihre Schattenseite: Die Versorger zerstören die Umwelt. Das wollen zumindest Autoren in ihren Büchern belegen - mit unterschiedlichem Erfolg.

Die Weltsicht des 22-jährigen Wolfgang Gründinger etwa lässt sich in wenigen Sätzen zusammenfassen: Das auf Erdöl, Gas, Kohle und Atomkraft ausgerichtete Energiesystem zerstört die Lebensgrundlage der Menschen. Es verpestet die Luft, treibt Raubbau an der Natur, verschärft die Ungerechtigkeit auf der Welt und ist die Ursache für Armut und Krieg. Die größten Energieverbraucher - allen voran die USA - haben "mithilfe von Bibel und Bombe eine globale Ressourcendiktatur aufgebaut, innerhalb der der privilegierte Zugang zu den globalen Rohstoffreserven militärisch durchgesetzt wird". Die Energieriesen wollen nur ihren Profit maximieren, interessieren sich nicht für die Umwelt, geschweige denn für nachfolgende Generationen.

Und auch eine Lösung will der Autor parat haben. In seinem Buch "Die Energiefalle" versucht er, "eine Ära des kollektiven Irrtums zu erfassen und den gesellschaftlichen festgefahrenen Denkblockaden durch aufklärende Analysen mehr Licht entgegenzusetzen". So heißt es zumindest schon auf den ersten Seiten.

Leider kann Gründinger dieses Versprechen nicht halten. Zu oft konzentriert er sich auf Schuldzuweisungen, darauf, den Untergang der Welt vorherzusagen und als einzigen Ausweg die Solarenergie hochzujubeln. Echte Lösungswege oder neue Ansichten liefert er jedoch nicht.

Dafür überzeugt er eher durch Masse statt Klasse. Denn in seinem Buch benutzt er etliche Quellen, legt deren Untersuchungen und Ergebnisse offen und bietet dem Leser so einen umfassenden Überblick über die aktuelle Diskussion. Eine gut durchdachte Einordnung der Quellen fehlt leider. "Die Energiefalle" wird damit jedoch zu einem umfangreichen Nachschlagewerk, das zum weiteren Forschen und Nachdenken anregt.

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