Literatur und Wirtschaft
Wider den ökonomischen Analphabetismus

"Ein Ökonom, der nur Ökonom ist, ist nicht nur ein Ärgernis, sondern stellt eine regelrechte Gefahr dar", wetterte der berühmte Wirtschaftswissenschaftler Friedrich August von Hayek einst. Doch ist die verbreitete Unkenntnis über ökonomische Zusammenhänge nicht mindestens so gefährlich wie der Scheuklappenblick?

HB DÜSSELDORF. Studien belegen: Jeder zweite deutsche Schüler kennt weder Sinn noch Zweck der Börse. Zwei Drittel der Jugendlichen können das Prinzip von Angebot und Nachfrage nicht erklären. Und selbst Studenten der Wirtschaftwissenschaften sind vor Irrtum nicht gefeit. Beinahe jeder dritte konnte bei einer Umfrage nicht sagen, in welcher Stadt die Europäische Zentralbank ihren Sitz hat. Frankfurt wäre die richtige Antwort gewesen.

Die Deutschen sind offenbar ökonomische Analphabeten. Das verbreitete Unwissen sowie die Scheu vor Zahlen und Formeln haben Autoren auf den Plan gerufen. Sie wollen Wirtschaftswissen vermitteln und damit mehrere Zielgruppen gleichzeitig ansprechen: Schüler, junge Erwachsene und wissbegierige Rentner.

Die Bücher, von denen an dieser Stelle drei vorgestellt werden, ähneln sich vor allem in einem Punkt: Sie arbeiten mit Beispielen und referieren keine Theorien. So verfährt der Direktor des Instituts für Ökonomische Bildung und Technische Bildung in Oldenburg, Hans Kaminski, der das Lehrbuch "Oec. Ökonomie" herausgegeben hat, um Grundfragen wirtschaftlichen Handelns zu beantworten. So geht David Smith vor, Wirtschaftsredakteur der "Sunday Times", in "Wirtschaftswissen leicht serviert". Und auch Nikolaus Piper, Leiter der Wirtschaftsredaktion der "Süddeutschen Zeitung", verzichtet auf Fachkauderwelsch. In seiner "Geschichte der Wirtschaft" macht er vor, wie ungeheuer einfach, aber zugleich spannend sich komplexe Zusammenhänge erzählen lassen. Das Buch, erstmals vor vier Jahren erschienen, ist längst zu einem Klassiker in diesem noch jungen Genre geworden.

Den Illustrationen nach zu urteilen, hat Piper zwar auf den ersten Blick ein Buch für Kinder konzipiert. Über weite Strecken gelingt es ihm aber, Wirtschaftsgeschichte von der Antike bis zur Gegenwart einfach, aber keineswegs banal zu erzählen. Sein Buch darf getrost ökonomischen Laien aller Generationen als Einstiegslektüre empfohlen werden.

Dagegen ist Hans Kaminskis "Oec. Ökonomie" ein echtes Lehrbuch. Der Herausgeber grenzt seine Wunschleser am deutlichsten ein. Schließlich erscheint das Werk im Schulbuchverlag Westermann. Dieser empfiehlt es Berufsschülern und Jugendlichen in der Sekundarstufe II aller Bundesländer. Und das zu Recht.

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