Literatur
Vom Vormarsch der Pragmatiker

Innenminister als Projektmanager, eine verliebter Parteichef und linke Vergangenheitsbewältigung: Politik ist in diesem Bücherfrühjahr das vorherrschende literarische Sujet. Gleich Vier Romane portraitieren die politische Klasse - die darüber weniger begeistert ist.

BERLIN. Politik ist für die Literatur wieder zum großen Thema geworden, die Zeit der Selbstbespiegelungen in der neuen deutschen Belletristik scheint vorbei. Mehrere Bücher porträtieren in diesem Frühjahr die politische Klasse. Die auf diese Weise Porträtierten zeigen sich allerdings weniger begeistert: Joschka Fischer antwortete bei einer Veranstaltung in der Berliner Akademie der Künste auf die Frage, ob er sich dafür interessiere, als Politiker Gegenstand der Literatur geworden zu sein, mit einem klaren „Nein“.

In vier neuen Romanen sind Politik, Gesellschaft und Medien Gegenstand der literarischen Auseinandersetzung: in Michael Kumpfmüllers Politikroman „Nachricht an alle“, Georg M. Oswalds Juristenschelte „Vom Geist der Gesetze“, Dirk Kurbjuweits Medienroman „Nicht die ganze Wahrheit“ und Bernhard Schlinks Terroristenbilanz „Das Wochenende“.

Der Blick auf die Politik ist dabei völlig unterschiedlich: Bei Spiegel-Journalist Kurbjuweit ist sie sogar eher Schauplatz, um von einer großen Leidenschaft zu berichten. Er erzählt in seinem neuen Buch, wie der Privatdetektiv Arthur Koenen herausfindet, dass der Vorsitzende einer großen Partei eine Affäre hat. Doch allen Autoren gemeinsam ist, dass sie ihre Romane wieder verorten – die Protagonisten haben Berufe und ganz pragmatische Ziele –, und ihr Augenmerk ist nicht nur auf die Themen Familie und Zweisamkeit beschränkt, wie sie die neue deutsche Literatur seit Jahren prägen.

Schon in den großen Zeitromanen der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts waren Politiker und Juristen, aber auch Unternehmer präsent, wobei ihre Gestalten oft ins Groteske verfremdet wurden. Die Literatur spiegelte in der rasanten Weimarer Zeit die gesellschaftlichen Fehlentwicklungen wider: ob in Heinrich Manns Roman „Der Kopf“ oder in Lion Feuchtwangers München-Roman „Erfolg“.

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