Literaturauszeichnung
Schweizerin gewinnt erstmals Deutschen Buchpreis

Die Schweizer Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji erhält den Deutschen Buchpreis. Mit ihrem Roman „Tauben fliegen auf“ setzte sich die 42-Jährige überraschend gegen fünf andere Titel durch. Damit geht die Auszeichnung zum ersten Mal überhaupt an ein Buch aus der Schweiz.
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HB FRANKFURT/MAIN. Zum ersten Mal geht der Deutsche Buchpreis an einen Roman aus der Schweiz: Die Schriftstellerin Melinda Nadj Abonji aus Zürich hat mit dem Buch „Tauben fliegen auf“ die beste literarische Neuerscheinung des Jahres geschrieben. Dies entschied eine Jury am Montagabend in Frankfurt am Vorabend der Buchmesse. Die 42-jährige Abonji, deren Muttersprache Ungarisch ist, stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien. Im Finale setzte sie sich überraschend gegen fünf weitere nominierte Romane durch.

„Ich danke der Jury, dass Sie gelesen hat und nicht bereits gesetzte Namen bestätigt hat“, sagte sie mit zittriger Stimme bei der Verkündung im Römer (Rathaus). Im autobiografischen Roman der Autorin geht es um die Geschichte einer ungarischen Familie aus der serbischen Vojvodina, die in die Schweiz übersiedelt und sich dort eine Existenz in der Gastronomie aufbaut. Mit großem Einfühlungsvermögen zeichne das Buch „das vertiefte Bild eines gegenwärtigen Europa im Aufbruch, das mit seiner Vergangenheit noch lang nicht abgeschlossen hat“, begründete die Jury ihre Wahl.

Der vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels organisierte Preis ist mit insgesamt 37 500 Euro dotiert, die Siegerin erhält davon 25 000 Euro. Der Preis wurde 2005 zum ersten Mal vergeben. Er hat sich seither zur Literaturauszeichnung mit der größten öffentlichen Resonanz entwickelt.

Abonji, die auch Musikerin ist, zählte unter den sechs Finalisten zu den Außenseitern. Als einer der Favoriten galt Peter Wawerzinek mit seinem Roman „Rabenliebe“, in dem er sich sein Kindheitstrauma von der Seele schrieb. Der Berliner Autor war einst von seiner Mutter bei deren Flucht in den Westen als Waise in der DDR zurückgelassen worden. Auch Thomas Lehr mit seinem ehrzeigen Romanprojekt „September. Fata Morgana“ waren gute Chancen eingeräumt worden.

Nominiert waren außerdem Jan Faktors Schelmenroman „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag“, Doron Rabinovici mit seiner jüdisch-wienerischen Tragikomödie „Andernorts“ und Judith Zander mit ihrem Epos „Dinge, die wir heute sagten“ aus der ostdeutschen Provinz.

Für die Auszeichnung haben die deutschsprachigen Verlage fast 150 Neuerscheinungen eingereicht. Die mit Literaturkritikern besetzte Jury hatte zuerst eine „Longlist“ von 20 Titeln erstellt. Dann wurde diese Liste Anfang September auf sechs Titel (Shortlist) reduziert.

Der Sieger-Roman hat es in den vergangenen Jahren regelmäßig auf die Bestsellerliste geschafft. 2009 ging der Preis an Kathrin Schmidt („Du stirbst nicht“). Ein Jahr zuvor war Uwe Tellkamp („Der Turm“) der Gewinner.

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