Literaturnobelpreis

Akademie zeichnet Swetlana Alexijewitsch aus

Ein Denkmal für Leiden und Mut: der Nobelpreis für Literatur geht 2015 an die Weißrussin Swetlana Alexijewitsch. Für Verwirrung sorgte im Vorfeld eine Danksagung auf Twitter, der womöglich der Gewinnerin zuzuordnen ist.
Update: 08.10.2015 - 15:02 Uhr

Swetlana Alexijewitsch erhält Literaturnobelpreis

StockholmDer diesjährige Literaturnobelpreis geht an Swetlana Alexijewitsch (67) aus Weißrussland. Sie wird „für ihr vielstämmiges Werk, das dem Leiden und dem Mut in unserer Zeit ein Denkmal setzt“ ausgezeichnet, wie es in der Begründung der Schwedischen Akademie heißt. Alexijewitsch zeichnet in ihren Büchern die Lebenswelt der Menschen in Weißrussland, Russland und der Ukraine nach. Für ihre Schilderungen erhielt sie vor zwei Jahren bereits den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Alexijewitsch ist ausgebildete Journalistin. Ihre Bücher sind denn auch gekennzeichnet durch eine journalistische Herangehensweise. Fast ihr gesamtes Werk stützt sich auf Gespräche mit Zeugen, schreibt die Akademie. „Das literarische Werk von Alexijewitschs Büchern besteht darin, durch eine Collage von menschlichen Stimmen unsere Kenntnisse einer historischen Epoche zu vertiefen“. Zu ihren bekanntesten Büchern zählen „Tschernobyl - Eine Chronik der Zukunft“ und „Zinkjungen - Afghanistan und die Folgen“. Ihr bislang letztes Buch, „Second Hand - Leben auf den Trümmern des Sozialismus“ erschien 2013.

Swetlana Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 in Iwano-Frankiwsk in der heutigen Ukraine als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter geboren. Später zog die Familie nach Weißrussland, wo die Eltern als Lehrer arbeiteten. Alexijewitsch ist Journalistin und Lehrerin. Immer wieder kritisierte sie das Regime von Weißrusslands Präsident Lukaschenko und wurde zeitweise in die Provinz verwiesen. Mittlerweile lebt sie wieder in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

In einem ersten Kommentar erklärte eine glückliche Preisträgerin der schwedischen Zeitung „Svenska Dagbladet“: „Das hier bedeutet, dass es künftig nicht mehr so leicht für die Machthaber in Weißrussland und Russland sein wird, mich einfach mit einer Handbewegung zu stoppen“.

Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im ukrainischen Iwan-Frankiwsk als Tochter eines weißrussischen Vaters und einer ukrainischen Mutter geboren. Später zog die Familie nach Weißrussland, wo die Eltern als Lehrer arbeiteten. Alexijewitsch ist Journalistin und Lehrerin. Immer wieder kritisierte sie das Regime von Weißrusslands Präsident Lukaschenko und wurde zeitweise in die Provinz verwiesen. Mittlerweile lebt sie wieder in der weißrussischen Hauptstadt Minsk.

Für Verwirrung sorgte zwei Stunden vor der offiziellen Bekanntgabe des diesjährigen Literaturnobelpreisträgers der Twitter-Eintrag einer gewissen Svetlana Alexievich. Ob er tatsächlich der weißrussischen Autorin gehörte, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Der Tweet enthielt folgende Mitteilung: „Die Schwedische Akademie hat mir den Literaturnobelpreis 2015 verliehen. Ich bekam gerade einen Anruf aus Schweden. Ich bin glücklich, sehr glücklich. Danke“. Mittlerweile scheint klar, dass es sich nicht um ihren eigen Twitter-Account handelt.

Der Tag der Preisvergabe
Wirtschaftsnobelpreis für Angus Deaton
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Wer beim Wirtschaftsnobelpreis auf einen US-Bürger als Gewinner tippt, liegt selten falsch –  keine andere Nation hat so häufig den höchsten Preis für Wirtschaftswissenschaften abgeräumt. Auch der diesjährige Preisträger besitzt die US-Staatsbürgerschaft, geboren wurde Angus Deaton  allerdings im schottischen Edinburgh.

Individuellen Konsumentscheidungen verstehen
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Deaton lehrt an der US-Eliteuniversität Princeton. Im Zentrum seiner Arbeit  stehen Fragen der Entwicklungs-, Wohlfahrts- und Gesundheitsökonomie. Deaton nutzt für seine Ergebnisse unter anderem die Befragung von Haushalten in Entwicklungsländern. Von der Nobelpreis-Jury ausgezeichnet wird er nun für seine Analyse von Konsum, Armut und Wohlfahrt.

„Um eine Wirtschaftspolitik zu entwerfen, die das Wohlergehen fördert und Armut reduziert, müssen wir zuerst die individuellen Konsumentscheidungen verstehen“, lobte das Komitee die Arbeit des 69-Jährigen. „Mehr als jeder andere hat Angus Deaton dieses Verständnis verbessert.“

Friedensnobelpreis für tunesisches Dialogquartett
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Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog wird mit dem diesjährigen Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Der Gruppe werde der Preis für ihre Bemühungen für den „Aufbau einer pluralistischen Demokratie“ zuerkannt, so das Nobelpreiskomitee in Oslo. Dem Dialogquartett gehören der tunesische Gewerkschaftsverband, der tunesische Arbeitgeberverband, die Menschenrechtsliga des Landes und die Anwaltskammer an.

Im Bild die Chefs der vier Organisationen: Wided Bouchamaoui, Präsidentin des Arbeitgeberverbandes; Houcine Abbassi, Generalsekretär des Gewerkschaftsverbandes; Abdessattar ben Moussa, Präsident der Menschenrechtsliga; Mohamed Fadhel Mahmoud, Präsident der nationalen Anwaltskammer (v. l.).

Ausgangsland des Arabischen Frühlings
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Tunesien war Ausgangsland des sogenannten Arabischen Frühlings, bei dem in Volksaufständen mehrere Machthaber arabischer Länder gestürzt wurden. Das tunesische Quartett für einen nationalen Dialog bemühte sich nach dem Sturz des langjährigen tunesischen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali 2011, einen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen. „Sie begründete einen alternativen, friedlichen politischen Prozess in einer Zeit, in der das Land am Rande des Bürgerkriegs stand“, heißt es in der Begründung der Nobel-Jury.

Literaturnobelpreis für Swetlana Alexijewitsch
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Swetlana Alexijewitsch (67) ist mit einem ganz eigenen literarischen Stil zum moralischen Gedächtnis des zerfallenen Sowjetimperiums geworden. Die weißrussische Schriftstellerin hat mit ihren Collagen das Leid, die Katastrophen und den harten Alltag der Menschen in ihrer Heimat aufgearbeitet. 2013 erhielt sie dafür den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Jetzt wurde sie mit den Literaturnobelpreis geehrt.

Romane in Stimmen
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Alexijewitschs Werke sind „Romane in Stimmen“. Erstmals wandte die gelernte Journalistin ihre literarische Methode 1983 im Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ an. Mit Interviews dokumentierte sie das Schicksal sowjetischer Soldatinnen im Zweiten Weltkrieg.

Für „Zinkjungen“ (1989) sprach sie mit mehr als 500 Veteranen des sowjetischen Afghanistan-Feldzugs und Müttern gefallener Soldaten. Genauso porträtierte sie 1997 die Überlebenden der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Als ihr Großwerk gilt „Secondhand-Zeit“ von 2013 – eine Sammlung von Stimmen über die erschütternden Erfahrungen des kommunistischen Experiments in der Sowjetunion.

Swetlana Alexijewitsch bei der Friedenspreis-Verleihung 2013
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Alexijewitsch wurde am 31. Mai 1948 im westukrainischen Stanislaw (heute Iwano-Frankowsk) geboren. Sie arbeitete nach einem Journalistik-Studium zunächst bei einer Lokalzeitung sowie als Lehrerin. Da sie unter dem autoritären Regime in Weißrussland öffentlich kein Gehör fand und ihre Werke nicht verlegt wurden, hielt sie sich viele Jahre im Ausland auf.

2011 zog sie trotz ihrer oppositionellen Haltung zurück nach Minsk. „Ich will zu Hause leben, unter meinen Leuten, meinen Enkel aufwachsen sehen“, sagte sie. Außerdem sei Quelle ihres Schaffens immer das Gespräch mit den Menschen gewesen. „Und das kann ich am besten hier und in meiner Sprache“, sagt Alexijewitsch.

Bereits im Vorfeld der Bekanntgabe galt die weißrussische Schriftstellerin Swetlana Alexijewitsch als Favoritin. Auch der Japaner Haruki Murakami, der Kenianer Ngugi Wa Thiong’o und der seit Jahren als heißer Anwärter auf den angesehensten Literaturpreis der Welt gehandelte Philip Roth befanden sich auf der Liste der größten Favoriten. Das Nobelkomitee hat mit seinen Entscheidungen jedoch immer wieder überrascht. Im vergangenen Jahr erhielt der nur einem kleinen Publikum bekannte französische Schriftsteller Patrick Modiano den Literaturnobelpreis.

Am morgigen Freitag wird in der norwegischen Hauptstadt Oslo der Friedensnobelpreisträger bekanntgegeben. Am Montag beendet die Bekanntgabe des Preises für Wirtschaftswissenschaften den diesjährigen Nobelreigen. Die mit acht Millionen Kronen (852 000 Euro) dotierten Auszeichnungen werden am 10. Dezember, dem Todestag ihres Stifters Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo übergeben.

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