„Little Big Berlin“
Die Bundeshauptstadt als Miniaturwunderland

Mit einem Filmprojekt erregt ein Berliner Künstler derzeit jede Menge Aufmerksamkeit im Internet. Mit der sogenannten Tilt-Shift-Technik fing Philipp Beuter das Leben in der Millionenmetropole ein – und ließ es aussehen wie eine Modellbauanlage. Das Video geht derzeit um die Welt, trifft aber nicht nur auf Zustimmung.
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HB BERLIN. Menschen sehen aus wie Ameisen. Züge sind so klein wie Modelleisenbahnen. Der Himmel leuchtet pink und gelb: Das Video „Little Big Berlin“ zeigt die Hauptstadt als eine Art Miniaturwunderland - und begeistert damit Filmfreaks und Internetnutzer weltweit. „Das hat sich wie ein Lauffeuer ausgebreitet“, sagt Filmemacher Philipp Beuter. „Plötzlich wurde das Video durch die ganze Welt gepostet.“ Nach drei Monaten habe es derzeit etwa 350 000 Klicks im Internet.

Den Erfolg erklärt sich der Hobbyfilmer durch die Verkleinerungstechnik, mit der auch internationale Künstler bereits andere Metropolen geschrumpft haben. „Bekannte Orte werden niedlich dargestellt“, sagt der 37-Jährige, „so wie Berlin vielleicht in der Erinnerung aussieht“.

In der Realität sei die Millionenstadt gar nicht so schön, findet Beuter. Eine Großstadt als Miniaturwunderland - möglich wird das durch die sogenannte Tilt-Shift-Technik. Durch unscharfe Bildbereiche, knallige Farben und beschleunigte Bewegungen entsteht optisch der Eindruck einer geschrumpften Stadt. „Es sieht aus, als ob du zu Hause deine Modelleisenbahn fotografiert hast“, erklärt Beuter. „Man verändert etwas absichtlich ins Unrealistische.“

Einzelne Farben werden im Film extrem knallig dargestellt. Durch Unschärfen am Bildrand wirken Menschen und Gegenstände im Fokus des Bildes wie Winzlinge. Zudem seien die Bewegungen im Video viermal so schnell wie in Wahrheit, sagt Beuter. Die Schnelllebigkeit sei ein typisches Phänomen der Stadt - auch wenn die Realität tatsächlich langsamer sei als im Film.

In rund zehn Minuten lernt der Zuschauer Berlin in „klein, süß, putzig“ kennen - vom Fernsehturm bis zur Spree. Auch wenn Beuter die Metropole für sein Video geschrumpft hat, stört ihn die Größe der Stadt keineswegs. Im Gegenteil. Vor 19 Jahren sei er aus einer schwäbischen Kleinstadt nach Berlin gekommen. „Die Anonymität finde ich toll.“ Die habe er auch durch die winzigen, kaum erkennbaren Miniaturmenschen dargestellt.

Mit seinem Video folgt Philipp Beuter einem weltweiten Trend: Städte wie New York, San Francisco oder auch Tokio haben findige Filmemacher bereits mit der Tilt-Shift-Technik geschrumpft. Unter „www.tiltshiftmaker.com“ kann mittlerweile jeder private Fotoaufnahmen in Miniaturlandschaften verwandeln. „Man sieht im Netz auch viele Videos, die nicht gut gemacht sind“, meint Beuter. Er selbst sei durch einen Werbefilm auf die Technik aufmerksam geworden.

Bei all der Euphorie um „Little Big Berlin“ sehen einzelne Internetnutzer den Kurzfilm aber durchaus kritisch. „Die Tilt-Shift- Technik (Miniaturwelten) wurde leider schon von zu vielen „Künstlern“ verwendet, um diverse Städte zur Schau zu stellen“, schreibt etwa „fotonerd“ in dem Blog „www.spreeblick.com“. Es gehe dabei nicht mehr um die einzelnen Städte, sondern nur um den Effekt.

Philipp Beuter sieht das anders. „Es ist eine filmische Liebeserklärung an Berlin“, sagt er. „Man kann ganz viel erkennen.“ In den Film, der mit Musik des Komponisten Franz Liszt unterlegt ist, hat Beuter auch Kindergeschrei eingebaut. „Das war für mich eine Hommage an die Kinderflut am Prenzlauer Berg.“

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