London
Wettstreit zweier Messen

Das Londoner Messeangebot ist derzeit vielfältig wie nie zuvor. Sowohl die „Frieze Masters“ als auch „PAD Fair“ bieten moderne Kunst und erlesene Objekte für die Besucher. Die dürften angenehm überrascht sein.
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LondonVor allem der Stand von Helly Nahmad auf der neuen "Frieze Masters" macht dem Namen der neuen Kunstmesse in London Ehre. Der Londoner Gallerist und Spross einer legendären Händlerfamilie schafft, was nur wenigen gelingt: Meisterwerke in ihrer herausragenden Einzelstellung zu präsentieren und vom Gewusel der Messe zu isolieren. Eigentlich interessieren Messen den Londoner Händler nicht. Für "Frieze Masters" machte er eine Ausnahme, "weil ich eine Idee hatte".

Nun drehen sich in seinem weißen Messestand drei Mobiles von Alexander Calder vor einem großen, weißgrundigen Bild von Joan Miró wie wehmütige Karusselle zu leiser Jazzmusik - Calders Lieblings-Tracks, versichert Nahmad. Ein Tempel für die Elementargötter der Kunst des 20. Jahrhunderts: Primärfarben, Konstruktivismus, die Isolation von Form und Farbe, Erinnerungen an Mondrian, Bewegung und Performance. Calders "Triumphant Red", mit fast sechs Meter Spannweite eines seiner wichtigsten Werke, gehörte einmal der Mobil Foundation. Die Nahmads ersteigerten es im Juni bei Christie's für 6,2 Millionen Pfund. Für 20 Millionen Dollar könnte man es nun haben.

Meisterwerk - der Begriff wird in der Frieze-Woche inflationär gebraucht, denn die Frieze Art Fair, Flaggschiff und Wegbereiter der phänomenalen Londoner Contemporary-Woche, hat nun auch die Alte Kunst in ihren Dienst genommen. Die eigentliche Frieze bleibt als die globale Trendmesse der neuesten Kunst dem 21. Jahrhundert vorbehalten (s. unten), erweitert das Aktuelle aber durch die Vorgeschichte - 15 Fußminuten oder zwei Fahrminuten im gesponsorten BMW-Shuttle entfernt in einem weiteren Messezelt am Nordende des Regent's Park.

"Masters" ist dabei alles vor 2000 - von der südarabischen Granitfigur des 3. Jahrtausends bei Rupert Wace (95.000 Pfund) bis zu den Künstlern der "Spotlight" Sektion - etwa die derzeit internationale Geltung erlangende, 2003 gestorbene Wienerin Birgit Jürgenssen bei der Galerie Hubert Winter (große Zeichnungen sind noch für 100.000 Euro zu haben).

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