Londoner Auktionen
Verrückt nach weißen Werken

Coole Kunst aus Italien, die auf alles Figürliche verzichtet, macht auf den Londoner Auktionen nie gesehene hohe Preise. Für die puristischen weißen Bilder geben Bieter zweistellige Millionensummen aus. Der Erfolg kommt jedoch nicht plötzlich. Bilder von Gerhard Richter bleiben im Rahmen der Schätzpreise.
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LondonVier Londoner Auktionshäuser versteigerten in der Frieze-Woche Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst für 233 Millionen Pfund, ein absoluter Rekord für diese Auktionswoche. Vor einem Jahr wurden noch 135 Millionen und im Jahr 2012 waren es 136 Millionen Pfund. Keine Frage, der Kunstmarkt brummt, auch wenn – oder gerade weil –an den Aktienmärkten Unsicherheit und Volatilität zurückkehren.

Gesteigert wurden diese Auktionsumsätze durch die Sondereinlieferung der österreichischen Sammlung Essl bei Christie’s, die wie berichtet mit knapp 47 Millionen Pfund zu dem Ergebnis beitrug, Auktionen, die länger und umfangreicher sind als je – und einen überragenden Auftritt der italienischen Kunst, die schon lange das Fundament der Londoner Oktoberauktionen ist.

Um mit Christie’s ewiger Rekordjagd mitzuhalten, hat nun auch Sotheby’s seine wohltuende Strategie knapper, auf das Beste beschränkter Abendauktionen aufgegeben und will mit Masse punkten: Beide Abendauktionen hatten mit einem Doppelangebot aus zeitgenössischer und italienischer Kunst über 100 Lose. Davon hätte sich manches in einer Tagauktion genau so gut oder besser verkauft. Aber hinter steigenden Volumen steht auch die immer noch steigende Zahl von Marktteilnehmern. Zum Glück ist an talentiertem Künstlernachwuchs kein Mangel.

Kippenbergers "ehrliche" Lügen für Budi Tek

„Asiaten trumpften auf“, freute sich Sotheby’s Experte Alex Branczik, als sich an der Abendauktion mehr als doppelt so viel Asiaten beteiligten wie vor einem Jahr. Einer ersteigerte Sotheby’s Toplos der Contemporary Auktion, einen Pierre Soulages für 2,66 Millionen Pfund. Er hätte, wäre sein Zustand perfekt gewesen, die Schätzung von 2 bis 3 Millionen Pfund noch übertreffen können. An das Schanghaier Yuz Museum des chinesisch-indonesischen Sammlers Budi Tek wurde Kippenbergers „Meine Lügen sind ehrlich“ für 2,3 Millionen Pfund (unter Schätzung) verkauft, an eine andere asiatische Adresse ging  Adrian Ghenie’s „Duchamp Funeral“ für eine runde, hohe Million Pfund. Bei Christie’s ging u.a. Anselm Kiefers „Lasst tausend Blumen blühen“ für 1,2 Millionen Pfund nach Asien. Das Bild war von 2007 bis 2011 Rekordhalter der Kiefer-Preise. Der Einlieferer hatte 2007 immerhin 1,8 Millionen Pfund bezahlt, musste also einen Verlust einstecken. Das ist nicht das einzige Beispiel für Kunst, die ihren Einkaufspreis nicht halten konnte.

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