Lothar Günther Buchheim
Doubletten versilbert

Neumeister setzt die expressionistische und französische Druckgraphik aus der Sammlung Lothar Günther Buchheim fast komplett ab. Mehr als 70 Prozent der Lose bleiben jedoch innerhalb oder unter der Taxe. Das Buchheim-Museum kann sich dennoch freuen und seinen Etat erheblich aufstocken.

MünchenVon einem Buchheim-Bonus war nur wenig zu spüren, als am 28. November 2015 im Auktionshaus Neumeister expressionistische und französische Druckgraphiken aus der Sammlung des Bestsellerautors und Expressionismus-Kenners Lothar Günther Buchheim zum Aufruf kamen. Gekauft wurde mit Kalkül.

Erwartungsgemäß avancierte Otto Dix´ Radierzyklus „Der Krieg“ von 1924 zum teuersten Werk der Versteigerung, die im Buchheim-Museum der Phantasie in Bernried stattfand. Bei 160.000 Euro fiel der Hammer für dieses Jahrhundertwerk mit radikalen Schilderungen von Massenvernichtung und Tod. Für das auf 100.0000 bis 150.000 Euro geschätzte Werk zahlt ein Telefonbieter aus Frankreich mit Aufgeld etwas mehr als 200.000 Euro. Bei Sotheby’s kostete im Mai vergangenen Jahres ein Exemplar 270.000 Euro.

Druckfrisch oder gelbstichig?

Interessenten aus den USA, den Niederlanden und Großbritannien waren beteiligt. Doch die Auktion mit ca. 230 Losen hat einmal mehr gezeigt, dass der Graphikmarkt extrem zwischen Meisterwerken und Dutzendware, zwischen Druckfrische und Gelbstichigkeit unterscheidet. Max Beckmanns „Selbstbildnis mit steifem Hut“ ist schon lange so etwas wie das Lieblingsblatt aller Graphiksammler und brachte etwas über 82.000 Euro (alle Erlöse inkl. Aufgeld).

Aber wie der Markt funktioniert, zeigten andere Blätter. Die unausweichliche Drastik des Motivs reizte an Otto Dix´ Radierung „Lustmord“. Der ausgeweidete Frauenkörper, in dessen Nähe geradezu obszön zwei Hunde kopulieren, kletterte von taxierten 2.000 auf 15.000 Euro. Bei Karl Schmidt-Rottluffs „Melancholie“  von 1914 überzeugte der klare Kontrast. Der Holzschnitt erzielte 14.000 Euro.

Schwer verkäufliche Druckgraphik

Mehr als 70 Prozent der Erlöse blieb taxgerecht im vierstelligen Bereich und auch weit darunter. „Es war uns von Anfang klar, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, denn expressionistische Druckgraphik ist schwer zu verkaufen“, erklärte Neumeisters Geschäftsführerin Katrin Stoll im Gespräch mit dem Handelsblatt. Mit dem Gesamtergebnis von 817.000 Euro hat das Haus zwar nicht ganz die erhoffte Euro-Million eingespielt. Aber die Auktionatorin gibt zu bedenken, dass es sich ja schließlich „nicht um die Kronjuwelen der Sammlung gehandelt hat“.

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