Louvre: Nachts allein mit Mona Lisa

Louvre
Nachts allein mit Mona Lisa

Der Louvre, Frankreichs Vorzeigemuseum und Nationalheiligtum, ist tagsüber völlig überlaufen. Doch nachts, wenn alle Touris hinaus schlurfen, begeben sich die wahren Kunst-Connaisseure in die altehrwürdigen Gänge.

DÜSSELDORF. Eigentlich ist dies ein Angebot für Kunstfreunde mit der Gnade der späten Geburt. Denn wer in den 60er-Jahren einen Fernseher hatte, wird sich mit einem Schaudern daran erinnern, was so alles im Louvre passieren kann. In der Schwarz-Weiß-Fernseher-Zeit streunte ein Phantom namens Belphegor durch die verzweigten Gänge des Pariser Monstermuseums, eine mysteriöse Gestalt, die sich auch schon mal ein Liebespaar vornahm, das sich weltentrückt in den Ausstellungshallen hatte einschließen lassen. Die Fernsehserie war ein echter Gassenfeger und durfte wenige Jahre später noch mal durch den Äther geistern. 2002 wurde sogar ein Remake davon gedreht, mit Sophie Marceau, der Hauptdarstellerin in La Boum – die Fete als spukender Studentin. Eine Mumie aus der ägyptischen Sammlung des Museums hatte von ihr Besitz ergriffen, und so spukte sie als Phantom des Louvre über die Ausstellungskilometer.

Vielleicht reicht die Zeit ja auch für einen Besuch beim Phantom des Louvre. Das heißt, entgegen aller cineastischer Überzeugungsgabe, nicht Belphegor. Vielmehr geistert es wechselweise als „Mona Lisa“ oder „Gioconda durch die Kunstwelt. Und hängt in Saal sechs des Louvre als Bildnis von Leonardo da Vinci hinter Panzerglas. Ob die Mona Lisa nämlich wirklich die Mona Lisa, die Gattin des Seidenhändlers Francesco di Bartolomeo di Zanobi del Giocondo, darstellt (oder aber ob es sich dabei um eine Mätresse, um die Marquise von Mantua, Isabella von Aragonien oder möglicherweise sogar einen homosexuellen Gespielen des Malers handelt), wird sich auch bei einer nächtlichen Privataudienz bei der Dame nicht klären lassen. Schon eher, warum sie einen immer anzuschauen scheint (Silberblick) oder warum ihr Lächeln so übernatürlich wirkt (Sfumato – eine Technik, bei der hauchdünne Farbschichten übereinandergelegt werden und die eine gewisse Unschärfe erzeugen).

Rund 2 100 Besucher pro Stunde schauen sich das Mini-Bild an. Was heißt anschauen – sie versuchen, sich ein paar Sekunden vor der Tafel zu halten, ehe sie im Mahlstrom der Kunsttouristen weitergeschoben werden. War was? Mona wer? Am Ausgang noch eine Postkarte und ab ins Pariser Nachtleben.

Doch nachts, wenn alle Touris hinaus schlurfen, begeben sich die wahren Kunst-Connaisseure in die altehrwürdigen Gänge. Wer Leonardos Hyperkunstwerk länger und näher erleben will, der kann bei Paris privé eine Privatführung ordern. Der Reiseveranstalter hat sich auf ganz besondere Paris-Erlebnisse spezialisiert, zeigt Ateliers, Parfümerien oder eben Museen im exklusiven Rahmen.

Nachdem alle Besucher, Schulklassen und Führungen den Bau verlassen haben, beginnt die Einzelstunde, an der noch weitere elf Gäste teilnehmen können. Der öffentlichkeitsscheue Kunstfreund wählt zunächst seine Wunschstrecke durch die Sammlung aus und wird dann von einem Historiker drei Stunden durchs Museum geführt. Aber Achtung, drei Stunden sind gerade genug, um sich einen Eindruck von der Weitläufigkeit des größten Museums der Welt (zumindest nach Exponaten gerechnet) zu machen. Und in den menschenleeren Sälen beschleicht einen wirklich das Gefühl, hier könnte ein Phantom seinen Erstwohnsitz haben.

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