Lucian Freud
Der „Maler des Fleisches“ ist tot

Großbritannien feiert Lucian Freud (1922-2011) vor allem für seine trefflichen Porträts. Die Queen und Ex-Model Jerry Hall saßen ihm Modell. Der Kunstmarkt sah im letzten Boom Rekordpreise für seine umstrittenen Aktgemälde.
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DüsseldorfSein Lebensthema war die realistische Malerei, der menschliche Körper in allen seinen Facetten. So wie Lucian Freud die Haut zu malen wusste, polarisierte er die Gesellschaft. Den einen war der Detailrealismus „des Malers des Fleisches“ zu genau, das Thema zu anstößig. Die anderen feierten Freud für seine Malerpranke, seine großartige Malerei („Peinture“), die dutzende von nuancierten Farbtönen kombiniert, um so etwas Lebendiges wie einen unbekleideten Körper zu malen.

Am 20. Juli ist der britische Maler Lucian Freud 88-jährig in seinem Londoner Haus gestorben. Das teilt die Agentur Press Association unter Berufung auf die Kunstagentin Diana Rawstron mit. Lucian Freud wurde 1922 in Berlin geboren als Sohn von Ernst Ludwig Freund und Enkel des Psychoanalytikers Sigmund Freud. 1933 musste seine Familie nach  London emigrieren, 1939 erlangte Freud die britische Staatsbürgerschaft.

Treffliche Porträts

In die Kunstgeschichte ist Lucian Freu eingegangen als einer der ganz großen Porträtmaler. Nicht nur Queen Elisabeth II., auch die Models Jerry Hall und Kate Moss saßen ihm Modell. Unbeirrt hielt Freud an der realistischen, aber mit Leidenschaft und Vehemenz auf die Leinwand gebrachten Malweise fest. Auch als alle Welt abstrakt malte. Als vor Jahren die gegenständliche Malerei, u.a. mit der „Leipziger Schule“ Markterfolge zu feiern begann, erzielte auch Freud Rekordpreise.

Fetter Rekord

In die Annalen des Kunstmarkts ist Lucian Freud im April 2008 eingegangen. Bei Christie's ließ sich der russische Multimillionär Roman Abramowitsch das Aktgemälde der extrem fettleibigen Sue Tilly, die ausgestreckt auf einem Sofa liegt, zuschlagen. Der füllige Akt, eine Kneipenbekanntschaft des lebenslustigen Malers („Benefits Supervisor Sleeping“), kam auf stolze 33,6 Millionen Dollar, damals höchster Preis für das Werk eines lebenden Zeitgenossen. Doch das ist ein Ausnahmepreis. Im Juni 2011 erzielte „Woman Smiling“ von 1958/59 4,7 Millionen Pfund. Auf Todesnachrichten gut eingeführter Künstler reagiert der Markt in der Regel mit steigenden Preisen. 

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